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Deutsches Künstlerleben im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert.
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Plattdeutsche Erzähler. 29

der „geschwindeste Maler" gefeiert, und drei Jahre nach seinem Tode wurde in deu Turmknvpf der Witteuberger Stadtkirche eine vom Magister Gunderam verfaßte Urkunde eingelegt, die von dem Leben und den Verdiensten des Malers meldete.

So hatten nach langein Ringen die deutschen Künstler die Stellung er­kämpft, die ihre italienischen Genossen schon seit hundert Jahren innehatten. Leider verblieb sie ihnen mir sehr kurze Zeit. Die Regierung Karls des Fünften wurde für das deutsche Kunstlcben ebenso wie für das gesamte Schicksal Deutsch­lands verhängnisvoll. Wie Karls ganzes Wesen durch und durch uudeutsch war, so hatte er anch für die deutsche Kuust nicht das geringste Verständnis. Tizian und Varcnd van Orley waren seine Günstlinge, an den deutschen Meistern ging er achtuugslvs vorüber, wußte Dürer nicht einmal die Ehre einer Audienz zu gönnen. Und was der Kaiser that, fand bald anch bei den übrigen Fürsten Nachahmnng. Überall finden wir italienische und niederländische Künstler be­schäftigt; überall begann jene Bevorzugung der ausländischen, jenes Zurücksetzen der einheimischeu Kräfte, welches die deutschen Meister nötigte, ihre Knnst wie früher wieder ausschließlich in den Dienst des kleinen Bürgertnms zn stellen. Ans diese Zeit der Erniedrigung folgte im Beginne des siebzehnten Jahrhunderts der unselige dreißigjährige Krieg, der auf lauge hinaus alle deutsche Kultur im Keime erstickte, und so vergingen Jahrhunderte, bis unter ganz andern Ver­hältnissen wieder ein nationales deutsches Kunst- und Künstlerleben sich ent­wickeln konnte.

plattdeutsche (Crzähler.

ie Freunde der Poesie haben alle Ursache, den Werken der Dia- lektliterntur Beachtung zu schenken. Nicht allein die Sprache der Gebildeten gewinnt durch den stets frisch erhaltenen Zusammen­hang mit ihren unzähligen Quellen nnd Zuflüssen, welche die ursprünglichen Mundarten des Volkes für sie bilden, wie in Frankreich beispielsweise jede litcrarische Neuerung mit einer gesteigerten Auf­nahme mnndartlicher Ausdrücke in die Sprache der Knnstdichtnng begonnen hat. Mehr noch ist es die Erinnerung an die ursprüngliche eigne Volksart, das Bild der nationalen Sitte und Natur, welche der großen Menge der abstrakt und deshalb international Gebildeten durch die dialektischen Volksdichter heilsam auf-