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Johannes Bugenhagen und die Reformation in der Stadt Braunschweig : zum 24. Juni.
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Johannes Bugenhagen und die Reformation in der Stadt Braunschweig. <^g?

und Zwietracht zwischen ihn und die lutherischen Prädikcmten zu säen, bald erneuerten sich die widrigen Szenen von Hader und Zerfahrenheit, bilderstürme- rische und selbst aufrührerische Bewegungen schändeten und schädigten die reine Sache, und so mußten denn nur zu bald selbst die getreuesten Anhänger Win­kels erkennen, daß mit diesem Manne das geplante Werk nicht zustande gebracht werden könne.

Also ein andrer an seine Stelle oder neben ihn! Aller Augen richteten sich nach Wittenberg, dort hatte seinerzeit Johannes Bugenhagen Kirche und Schule aus ähnlichen uud ärgeren Wirrnissen errettet nnd in gedeihliche Bahnen gelenkt. Ihn, den Doktor Pommer, erbaten sich jetzt die Wortführer der Evan­gelischen zu Braunschweig samt dem Rate znm Helfer uud Leiter bei ihrem Vorhabe,,, brieflich zuerst, dann, als Luther und sein Kreis den, wie sie meinten, Unentbehrlichen nicht hatten ziehen lassen wollen, zum andernmale durch förm­liche Gesandtschaft. Ihren Bitten und Vorstellungen ward nachgegeben, am 13. Mai reiste Bugcnhagen mit den beiden Brannschweigern ab uud traf am 20. an dem Orte seiner neuen Wirksamkeit ein.

Noch an demselben Tage begann er sein Werk, und zwar bei dem schwersten und wichtigsten Punkte. Es galt vor allem, den Eigenwillen nnd Eigendünkel der Prädikanten, die jetzt, dreizehn an der Zahl, die Berufung eines neuen Obern nicht alle mit günstigen Blicken ansahen, zu einem gedeihlichen Zusammenwirken gefügig zu machen. Dazu entbot sie Bugcnhagen in die Andreaskirchc, nnd nachdem er sich durch Vorweisung des Rats- und Gemeinenschreibens als Mit­arbeiter legitimirt, erklärte er,ohne ihre Zustimmung das Mindeste nicht weder mit Lehrenoch mit Predigen vornehmen" zu wollen, ja er ließ sich zum Schluß von sämtlichen Prädikanten durch Handauflegung in seinem Amte be­stätigen. Dieses zugleich eutschiedne und gewinnende Auftreten verfehlte seine Wirkung nicht, weitere Kreise aber überzeugte die gewaltige Predigt, welche er am nächsten Tage, als Himmelfahrt, in der Brüdernkirche that, daß in ihm der rechte Mann gefunden sei. Und wer trotz der Frische und Überzeugungskraft seiner Rede noch nicht hätte a» seinen Erfolg glauben mögen, der mußte es von Tag zu Tag mehr angesichts seiner geradezu unerschöpflichen, für die be­quemen Herren von Braunschweig kaum begreiflichen Arbeitskraft, welche er in seiner von früh bis spät angespornten Thätigkeit zutage treten ließ.

Völlig mühelos, berichtet Hänselmanu nach zeitgenössischen Aufzeich­nungen, ohne jemals eiuen Anflug von Ermüdung an sich spüren zu lassen, mit stets gleicher Freudigkeit entledigte er sich all der mannichfachen Aufgaben, die ihm sein eigner Eifer und die gegebnen Verhältnisse stellten. Dreimal in der Woche sah man ihn auf einer der Kanzeln, fast täglich hielt er im Kon- fessorium der Minoriten lateinisch eine Vorlesung für die Gelehrten: den Römer­brief und beide Briefe an Timotheus legte er in der kurzen Zeit seines Blei­bens dort aus. Eifrig betrieb er daneben zunächst die äußerliche Reinigung