Beitrag 
Um eine Perle : Roman :
(Fortsetzung.)
Seite
380
Einzelbild herunterladen
 

380

Notizen.

mit der andern Hand die Spende demütig annahm, ohne doch zu wissen, ob er für den Dukaten nun die Geschichte in dieser oder jener Auffassung zu Ende erzählen solle.

Ein buntbcbänderter Läufer, wie die vornehmeren Advokaten Norditaliens damals deren zu halten pflegten, machte der Verlegenheit des Scrivano ein Ende. Er hatte oft in dem Zodiaeo-Gäßchen Bestellungen des Signor Andrea auszurichten gehabt und war im Augenblicke, als Fiorita sich von dem Scrivano verabschieden wollte, vorübergeeilt, in der Hand einen für die Tochter des Ver­urteilten bestimmten Brief, den er schon seit dem frühen Morgen vergebens in ganz Mcmtua herumgetragen hatte.

IMuo! rief er, indem er, die Adressatin des Briefes erkennend, mit einer leichten Kniebeugung und einem graziösen Lüpfen seines Federbaretts vor sie hintrat und ihr das Schreiben nach damaliger Sitte ans dem Handrücken wie auf einem Teller überreichte; endlich! Fiorita war erschrvcken zurück­gefahren. Alles erschreckte sie. Aber sie faßte sich, erbrach den Brief und durchflog seinen Inhalt, scheinbar ohne alle Erregung, während ihr blasses Gesicht doch sich purpurn färbte.

Indem sie ihren Schleier dann wieder vorzog" und das von dem Serivcmo inzwischen petschirte Schreiben dem Läufer sür seineu Herrn übergab, sagte sie: Es ist gut, Pedro; hier ist die Antwort. Tummle dich.

Und auch hier einen Dueato spendend, den Pedro ehrerbietig küßte und dann eiusäckelte, entfernte sie sich mit festen Schritten, als habe nie eine Dame Mantuas ihren Weg klarer vor sich gesehen, als diese Märtyrerin ihres kind­lichen Pflichtgefühls. (Fortsetzung folgt.)

Notizen.

Ein PostVerein für Zentraleuropa. Zu den schöpferischcu Ideen großen Stils, dereu Verwirklichung dem Fürsten Bismarck nach wiederhvlt von ihm ge­thanen Aeußerungen schon seit lauger Zeit als ein erstrebeuswertcs Ziel vorgeschwebt hat, gehört auch ein handelspolitisches Projekt ersten Ranges, nämlich das einer engern wirtschaftlichen Vereinigung der sämtlichen Staaten Zentralenropas, und zwar war es speziell das Gebiet des Zollwesens, auf welches sich dieser Plnu richtete, in dem Sinne, daß analog dem zwischen den verschiednen deutschen Staaten allmählich zustande gekommenen Zollverein ein zentraleuropäischcr Zollbund ge­gründet würde, welcher durch den Wegfall der Zollschranken zwischen dein deutsche» Reiche und den andern Staaten Mitteleuropas eiue große Kosteuersparnis, be­ziehentlich eine bedeuteude Steigerung des Reincrträgnisses der nur noch für die Auszen- greuze des neuen Zolllmudes aufrecht zu erhalteuden Zollverwaltung für alle unch der Kopfzahl an der Verteilung beteiligten Staaten znr Folge haben würde.

Es giebt aber noch ein andres wirtschaftliches Gebiet, auf welchem ein engerer Zusammenschluß der Staaten Zentralenropas große Vorteile bieten würde, nämlich das des PostWesens. Es würde sich hierbei darnm handeln, innerhalb des Welt­postvereins eine Anzahl von Vcreinsgliedern, welche durch ihre geographische Lage schou von der Natur zu einer eugern Gemeinschaft bestimmt zu sein scheinen, noch fester miteinander zu verknüpfen, als dies durch die Einrichtungen des Welt-