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Neue Erzählungen von K. E. Franzos.
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Neue Erzählungen von K. (L. Franzos.

arl Emil Franzos gehört zu den wenigen Schriftstellern, welche die rechte Witterung für ihre Zeit haben. Nach den großen Er­folgen, die er gleich bei semein Auftreten mit den Knltnrbildern aus Halbasieu hatte, war er klug genug, dies begrenzte Gebiet selbst zu verlassen, bevor das Publikum ihu im Stiche ließ, und seitdem vergeht fast kein Jahr, ohne daß mindestens ein Band aus seiner frucht­baren Feder auf dem Büchermarkt erschiene. Die eigentliche Knlturschilderung, dieses Zwittcrgeschöpf echt moderner Art, hat er zwar aufgegeben, aber mit wohlberechneter Absicht verlegt er alle seine Geschichten in jene halbasiatischen Gegenden, welche sich von Krakcm längs dem Gebirgsznge der Karpathen bis nach Rumänien erstrecken nnd in deren halbbarbarischcr Atmosphäre die stärksten Gegensätze uud heftigsten Leidenschaften die wahrscheinlichste Motivirung finden. Es scheint, daß es heutzutage überhaupt bei den Belletristen üblich wird, sich dauernd in einem beschränkten geographischen oder historischen Kreise zu be­wegen und daß so trotz aller Tradition des Gegenteils die Welt doch nnter den Poeten geteilt wird: mit Felix Dahn verbindet man die Vorstellung des alten Germaniens, mit Ebers die von Ägypten und Franzos führt den Leser stets nach Halbasicn. Aber in seinen letzten zwei Erzählungen: Der Präsident und Die Reise nach dem Schicksal, in denen beiden sich der Ort der Handlung von Wien bis nach dem östlichsten österreichischen Greuz- stüdtchen Suezawa erstreckt, sind es rein menschliche Probleme, die znr Dar­stellung kommen.

Es ist natürlich, daß sich in solchen Arbeite,, der eigentliche Charakter seiner dichterischen Begabung offenbaren muß. Denn für den Knlturschilderer ist der Stoff etwas Gegebenes, in seinen Schriften überwiegt auch das stoff­liche Juteresse an den für die Literatur ganz neu entdeckten Völkern und Sitten weitaus jedes andre. Je weniger sich der Knltnrschilderer in seinem sittlichen Wesen, in seinen allgemeinen Überzeugungen von dem Volke unterscheidet, für welches er schreibt, umso größer ist sein Publikum, umso objektiver erscheine» seine Bilder. Anders ist es mit dem frei schaffenden Dichter. Von ihm er­wartet man eine ganz individuelle Menschlichkeit, eine eigne Art Menschen nnd Dinge anzuschauen, eine sich stark von der Alltäglichkeit unterscheidende Phy­siognomie. Er darf uicht auf das Interesse am fremden Kostüm rechnen, ob­gleich gerade unsre jetzige Literatur an dieser Kostümirnng der Poesie leidet und