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Ungehaltene Reden eines Nichtgewählten.
vor Vierzehn Jahren!" bedeutet ein Sclbstlob, das die Brave sich auszustellen nicht umhin kann. Es heißt: „Fürwahr, wir sind thätig gewesen. Hände voll Sand haben wir in die Augen unsrer Leser gestreut, sie tappen nunmehr alle im Dunkeln!"
Es ist dies aufs tiefste zu bedauern, da das Gros der 400000 Deutschen in Newyork und den Schwesterstädten geradezu auf dieses Blatt augewiesen ist, das allein den Ansprüchen eines großstädtischen Lesers Genüge leistet. Die armen Pennhzeitungen, die nebenbei ans den allerbescheidensten Leserkreis wirken, kommen, auch wo sie prinzipiell nicht gegen unsre Heimat Front machen, nicht in Betracht, und so muß deun auch hier, wahrscheinlich noch lange, die Wahrheit auf der Straße herumlaufen, obdachlos wie eine Prvstituirte, und betteln, daß sich um Himmelswillen jemand ihrer erbarme.
Es ist uicht die einzige Frau, die heutzutage weiut. Es steht eine andre aus dem Niederwald am Rhein; sie blickt stolzen Auges in die Welt, wenn tags der Fremde kommt, um ihr zu huldigen. Aber wenn abends die Schatten sinken, dann richtet sie sich ängstlich auf und späht mit Geisteraugen über den weiten Ozean nach Westen, nach jenem fernen Lande, wo ihre Verlornen Kinder noch immer mit abgewandtem Gesichte stehen und ihre Mutter verläugnen uud verlästern.
Newyork, im April ^335. R. h.
Ungehaltene Reden eines Nichtgewählten.
9.
arlamentsferien sind mir stets als eine sehr bedenkliche Einrichtung erschiene». Nehmen wir mir die Hauptsache bei dem gauzen „Verfassungslebcn," nämlich die parlamentarischen Wortführer, so muß einleuchten, daß jemand, der gewohnt ist, täglich ein gewisses Quantum Ncdc von sich zu geben, uicht ohne Nachteil für
sein Gesamtbefinden genötigt werden kann, sich plötzlich Enthaltsamkeit aufzuerlegen. Allerdings braucht der feiernde Parlamentarier uicht zum Trappisteu zu werden, er wird im engeren Kreise oder auch iu dem weiteren einer Wählcr- versammluug sein Ncdcbedürfnis zu befriedigen suchen. Allein, meine Herren, das ist nur ein schwacher Ersatz, etwa so, wie wenn der Norddeutsche (um, mit gütiger Erlaubnis der Herren Sozialdemokraten, einen „pommcrschen Gutsbesitzer" zu zitiren) für „seiu uaturgemäßes Geträuk, den Notwein von Bordeaux, sich mit den sauern Neben von der Ahr und Nahe" behelfen muß: es fehlt die milde Kraft und Wärme, welche den Organismus beleben. Zudem