Notiz.
Sparkassen als Einnahmequelle. Bei den letzten Diskussionen über die Postsparkassenvorlage und in Verbindung damit über diejenigen Einrichtungen unsrer Sparkassen, die einer Verbesserung fähig oder bedürftig sind, ist ein Gesichtspunkt so gut wie unbeachtet geblieben, der gleichwohl von höchster Wichtigkeit sein dürste: die baarcn Erträge, welche viele Gemeinden und sonstige Korporationen aus den von ihnen unterhaltenen Sparkassen beziehen. Nun ist es eine mißliche Sache, gegenwärtig, wo die finanzielle Notlage vieler Gemeinden zu einer der brennendsten Tagcsfragen geworden ist, eine Einnahme antasten zn wollen, nn welche die Gemeinden seit vielen Jahren gewöhnt sind uud welche schon deshalb von vielen Leuten als eine unantastbare angesehen wird, fiir welche anch sonst vieles zu sprechen scheint, nnd gegen welche scheinbar nur ein sehr allgemeiner, praktisch so gut wie bedcntuugsloser Grund vorgebracht werden kann. Gleichwohl möge es gestattet sein, an dieser Stelle einmal die Sache der Sparer gegen die Sparkasscnkorporationcn zu führen.
Wer eine Sache begründet nnd das Risiko dafür trägt, der hat — so wird nns vor allem entgegengehalten werden — auch das Recht, einen Nutzen aus derselben zu ziehen. Nun, das „Recht" mag feststehen; mit der bloßen Berufung ans ein formelles „Recht" ist aber doch wohl heutzutage uicht mehr durchzukommen, sondern es muß, zumal wenn es sich nm eine öffentliche Körperschaft wie die Gemeinde handelt, der Nachweis der Zweckmäßigkeit und der Billigkeit geführt werden. Nnn kann man doch gewiß sagen: Daß die Gemeinden Sparkassen gründeten, das thaten sie in ihrem eignen Interesse, auch ohne daß dabei an eine künftige Einnahmequelle hätte gedacht zu werden brauchen. Jedenfalls nimmt es sich etwas sonderbar aus, sich der gemeinnützigen Gründung einer Sparkasse zu rühmen und in demselben Atem schmunzelnd die Summen zn überzählen, welche diese „gemeinnützige Gründung" der Stadt schon eingetragen habe. Auf sonderlichen Dank kann eine solche Gemeindeverwaltung doch kaum noch Anspruch erheben. Ebensowenig will es uns gerechtfertigt scheinen, das „Risiko" für den aus der Kasse gezogenen Geschäftsgewinn ins Feuer zn führen. Niemand wendet ja etwas dagegen ein, daß die Kasse sich einen Reservefonds sammelt, und wenn Verhältnisse vorliegen, welche eine stärkere als die gewöhnliche Gefährdung in Aussicht stellen, so wird jeder Billigdenkendc sich auch noch Snperreservcn, Spezialreserven ?c. gefallen lassen. Wenn dies in geschäftsmäßiger Weise stattfindet (uud man lasse es in einer so vorsichtigen Weise stattfinden, daß das gewöhnliche geschäftsmäßige Verfahren noch übertroffen wird), so können dann noch entstehende, über die vorhandenen Reserven hinausgehende Verluste offenbar nur der Verwaltung selbst zuzuschreiben seiu, und es wäre doch überaus wunderlich, auch für solche Vorkommnisse im voraus eine Prämie einzuziehen. Übrigens ist es — soviel uns bekannt — Thatsache, daß der Fall eines von einer Sparkasse erlittenen und durch die Gemeinde ?c. zu deckenden Verlustes in Deutschland noch znm ersten male vorkommen soll.
Aber, sagt man, es kommt ja garnicht so sehr darauf an, ob die Sparer 1/4 oder ^ Prozent mchr'Zinscn erhalten; ja es ist nicht einmal wünschenswert,