Beiträge zum Verständnis der mittelasiatischen Frage.
i.
ir haben vor einigen Wochen einen Rückblick auf die neueste Gestaltung des Streites gethan, zu dem die Verschiedenheit der Interessen Englands und Rußlands in Asien geführt hat, und in der letzten Nnmmer den gegenwärtigen Stand der Dinge zu beleuchten versucht. Es schien uns dabei, als ob der drohende Zusammenstoß der beiden Mächte für jetzt noch vermieden werden könne, wir durften aber nicht verschweigen, daß damit nur eine Vertagung erreicht werden würde, und zwar, da die Gegner einander sehr nahe gerückt sind, wahrscheinlich nur für kurze Zeit. Die Meinungsverschiedenheiten, die jetzt schon nach dem Nordwestcn Afghanistans hineinspielen, können iu Einzelheiten vorläufig einer Verständigung weichen. Sehr bald aber werden am Oxus ueue auftauchen, und wenn auch diese ausgeglichen werde:? sollten, so wird die Frage damit doch nicht gelöst sein und immer wieder die Blicke der Welt auf sich lenken. So wird eine weiter zurückreichende Überschau über die Hauptmomcnte in ihrer Entwicklung notwendig, die auch audre asiatische Länder als Turkmcuien und Afghanistan in den Kreis ihrer Betrachtung zieht und nach dem dort Geschehenen die Gegenwart zn beurteilen und auf die Zukunft zu schließen versucht.
Die asiatische,, Pläne Napoleons des Ersten, die ans ein Bündnis mit Tippn Sahib, dem Fürsten von Mysore, und eine Eroberung Indiens mit dessen Beistand hinausliefen, nnd bei denen auch die Perser und die Afghane» mit in Nechnnng gezogen wurden, waren mißlungen nnd hatten nur zur Ausdehnung nnd Befestigung der englischen Macht im Orient geführt. Frankreich verlor hier den letzten Rest seines Einflusses, uud Rußland nnd England standen sich nun in diesen, Teile der Welt als einzige Nebenbuhler von Bedeutung gegenüber. Alsbald begannen sich ihre Agenten, die meist unter dem Vorwande, Handelsverbindungen anknüpfen zu wollen, reisten, in den Ländern der Grenz- nachbcm, Indiens zu kreuzen nnd gegen einander Ränke zu spinnen. Einer von den ersten russischen Emissären dieser Art war Mehdi Nafciel, der Sohn eines Jude,, aus Kaschmir, der sich iu Nußland niedergelassen hatte. Er kam um das Jahr 1824 unter anderm mit Briefen, die von Graf Nesselrode unterzeichnet waren, znm Nadschah von Ladak und zum Maharcidschcch von Lahvre, um diese Fürsten zu veranlassen, mit Kaiser Alexander in freundschaftliche Beziehungen zu treten uud Gesandte nach Petersburg zu schicken. Derselbe Agent