Beitrag 
Die niederländische Genre- und Landschaftsmalerei : 6. Jahn Brueghels Naturstudien. - Seine Landschaften und Bauernszenen. - Sein Einfluß auf die Malerei seiner Zeit. - Rubens als Landschafts- und Genremaler.
Seite
680
Einzelbild herunterladen
 

680

allegorische Bedeutung suche». Sie ist vielmehr ein reines Genrebild, und die in der Luft herumschwebeuden Amoretten sollen nur auf die galante Unterhaltung deuten, welche zwischen den Kavalieren und ihren Damen gepflogen wird, wie denn auch Rubens selbst diese Bilder oouversMö 51a moäv genannt hat. Im Gegen­satz zu jenen rohen Änßerungen elementarischcr Triebe wird hier die gesittete Art des Verkehrs geschildert, welche in den vornehmen Ständen herrscht, denen Nnbens selbst angehörte, und wie er dort zu dem vollendeten Ausdruck des Gescheuen kam, so-feiert hier die Feinheit seiner Charakterisirungskunst und die Noblesse seiner Auffassung einen hohen Triumph, während sich zugleich seine malerische Virtuosität in der Wiedergabe glänzender Atlas- und Seidenstoffe, prunkvoller Sammetgewänder und kostbarer Spitzenkragen erschöpft. So hat Rubens auch auf dem Gebiete des feineren Genrebildes den späteren hollän­dischen Sitteumalcrn, einem Dirk Hals, einem Palamedes, einem Terborch, Netscher und Metsu ihre besten Wirkungen und Erfolge vorweggenommen.

Zur deutschen und zur Österreichischen Hrage.

on zwei Münchener Professoren sind uns fast gleichzeitig Äuße­rungen über die deutsche Frage zugekommen. Giebt es denn noch eine deutsche Frage? Nach dem Dafürhalten gewöhnlicher Sterb­lichen hat Deutschland wohl keinen Mangel an Fragen, aber die sogenannte deutsche Frage, um welche eiust so viel Tinte und dann so viel Blut verspritzt wurde, ist eben dadurch erledigt und abgethan, daß wieder cm Deutschland dasteht. Dieser Ansicht ist auch der eine vou den Professoren, der zweite dagegen hat den alten GegensatzKlcindeutsch und Großdeutsch" noch nicht überwunden, unr daß er für den letzteren Ausdruckdeutsches Gesamt- bewußtsein" setzt. Professor Brinz, oder richtiger von Brinz (das Adels­diplom hat er sich, wenn wir nicht irren, aus Österreich mitgebracht) fand es vor einiger Zeit angemessen, einem wegen Beleidigung einer hohen Person verurteilten Demokraten mit Ostentation die Hand zu drücken; nun veranlassen ihn wieder paradoxe Behauptungen Ed. von Hartmcmns, zu verkünden,daß je engherziger, ja herzloser sich ein gewisses klcindeutsches Weseu zeigt, desto sicherer das deutsche Gesamtbewußtsein wieder aufleben werde." Es ist nicht notwendig, ausdrücklich zu betonen, daß wir nicht gewillt sind, uns den Satz anzueignen, daß das Deutschtum in Österreich unrettbar verloren, und noch