Die Postsparkassen im Reichstage.
l er Entwurf eines Postsparkassengesetzes hatte bereits bei der Beratung im Plenum des Reichstages von so verschiednen Seiten > Widerspruch erfahren, daß nur sehr sanguinische nnd optimistische Anhänger des Gesetzes aus der Kvmmissionsberatung eine Wandel lnng erwarten konnten. In der That ist auch diese Hoffnung zu schandeu geworden, und man kann für diese Sitzung den Entwnrf für begraben betrachten. Es kann nur noch fraglich erscheinen, ob ihm die Ehre eines anständigen Begräbnisses in einer zweiten Lesung zuteil wird, oder ob er dem Schicksal des betlchemitischeu Kiudesmordes anheimfällt und am Schlüsse der Session mit andern rückständigen Vorlagen unerledigt in den Orkus sinkt.
Die Feinde des Entwurfs setzen sich im großen und gauzen aus den Elementen zusammen, welche entweder offne Gegner des Reiches sind oder doch im Geheimen alle Maßregeln zu hintertreiben suchen, die auf eine Kräftigung des Neichsgedankens abzielen. Zu den ersteren gehört das Zentrum mit seiner antideutschen Dcpendenz, zu den letztern gehören jene außerpreußischcu Partikularsten, welche der Neichsregierung nur mit halbem Herzen folgen und, seit der Liberalismus in seinen fortgeschrittene» Partien sich lediglich von seiner Abneigung gegen den Reichskanzler leiten läßt, immer mehr ihren partiknlaristischen Neigungen Geltung zu verschaffen wissen. Eine dritte Gruppe von Gegnern ist endlich dem Entwürfe in jenen altpreußischen Konservativen entstanden, die sich immer noch von einer Politik auf eigne Faust nicht lossagen können und der unbegreiflichen Meinung sind, daß die preußische konservative Partei sich auch einmal den Luxus einer Opposition gegen Sr. Majestät Negiernng gönnen dürfe.
Die Beweggründe dieser Gruppen sind natürlich verschiedne; die der ersten beiden liegen außerhalb der Sache, die der letzten sind zwar sachlich, aber stehen Grenzboten I. 188S. 62