Die letzte Präsidentenwahl in Nordamerika.
m 4. November 1884 ist durch das Votum der uordamerika- nischen Bürger der Gouverneur des Staates Newyork, Grover Clevelaud, zuin Präsidenten berufen worden; am 1. März d. I. wird er sein Amt antreten.
Die Wahl war im höchsten Grade vlo86, wie der Amerikaner sagt; es sind nahe an zehn Millionen Stimmen abgegeben worden, und die Majorität Clevelands betrug nur wenig über 60 000! Trotzdem war das, was das Befremden des Nichtamerikancrs erregte, nicht die ungeheure Aufregung und Erbitterung der Parteien — dergleichen hat man auch daheim; es war vielmehr der kraß hervortretende Maugel an Ideen, welcher der Wahlkampagne eine sv eigentümliche Signatur gab.
In dem weiten Lande, das, von einem Weltmeere zum andern reichend, wehr als die Hälfte eines ganzen Kontinents umfaßt, mit Hilfsquellen, die alles in Schatten stellen, was die Erde bietet, mit Raum für sechsmal soviel Menschen, als jetzt darin Hausen, in diesem glücklichen Lande ohne Feinde und >ast ohne Nachbarn giebt es anscheinend keine brennende Frage außer der Machtfrnge, d. h. der Frage, wer imstande sein solle, seine Kreaturen in die Amter zu bringen, um sich selbst auf Kosten des Ganzen zu bereichern. So trat denn das Prinzip vollständig hinter der Person zurück. Was die Stellen- läger von dem einen oder dem andern Kandidaten zu hoffen hätten, dies war der springende Punkt; ob der zukünftige Präsident zu laufen sei oder nicht, dies war das Entscheidende.
Bevor wir nns jedoch zur Charakteristik der in Frage gekommenen Männer und — Frauen wenden, ist es nötig, für die, welche mit den hiesigen Verhältnissen nicht vollständig vertraut sind, einige kurze Bemerkungen vorauszuschicken
Grenzboten l. 1385. ' 5S