Notizen.
Ein neues philosophisches System. In den exakten Wissenschaften muß es doch klipp und klar werden, sagt der Verfasser eines nen erschienenen philosophischen Systems") und giebt damit einem wvhlberechtigten Gefühle Ausdruck: man kann allerdings die bestimmte Erwartung nnssprechen, daß der menschliche Verstand eine zusammenhängende Erklärung für alle Naturerscheinungen finde» wird. Er wendet sich dann anch mit Energie gegen jeden Wunderglauben, worunter er aber nicht den an die biblischen Wunder versteht, sondern vielmehr den Glauben an mancherlei Hypothesen der Physiker über Fernwirkung, Massenanziehung, Mvlekularbewegung, welche noch nicht vollständig klar bewiesen sind, und auch hierin müssen wir ihm beistimmen, denn die Tciuschnngs- fähigkeit der Meuscheu ist sehr groß, und man ist im allgemeinen nur zu sehr geneigt, jede kühue und gewagte Hypothese, die ein angesehener und berühmter Mann aufgestellt hat, für die reine Wahrheit zn halten, bevor man ihre Uebereinstimmung mit den Prinzipien der Erfahrung selbst geprüft hat. Aber etwas andres ist es, wenn der Verfasser nun selbst die einzig richtige Hypothese aufzustellen versucht, welche nach seiner Meinung geeignet ist, den Verstand vollständig in der Erklärung aller Naturerscheinungen aus eiuem Prinzip zu befriedige«.
Bei einem so großartigen Unternehmen ist es durchaus notwendig, zuerst auf den Unterschied von dogmatischer uud kritischer Philosophie zurückzukommen. Dogmatische Hypothesen aufzustellen, die ohne Widerspruch mit allen Thatsachen der Erfahrung gedacht werden können, ist nicht schwer, sondern vielmehr in unbeschränktem Maße möglich. Die einfachste Hypothese, die iu diesem Sinne gemacht wordeu ist, ist die, daß man die letzte Ursache aller Bewegung und alles Geschehenen Gott genaunt hat. Eine andre Hypothese war die, daß man diese letzte Ursache Bewegung nannte, und die Physiker, die diese Annahme machten, schlössen meistens, wenn sie nicht zufällig auch noch kühne philosophische Dilettanten waren, die geistigen Thätigkeiten von dem Gebiete aus, welches durch diese Bewegungen der Materie erklärt werden sollte. Darüber hinaus gingen diejenigen, die für Geist und Materie durchaus eine und dieselbe Quelle des Ursprunges haben und begreifen wollten, und zu ihnen gehört uufer Verfasser, indem er uns den leicht beweglichen Elek- trizitätsstvff empfiehlt, um alle Erscheinungen der sichtbaren äußern sowohl wie der innern geistigen Welt zu erklären. Er nennt ihn „die Kraft, die znm Ganzen eint die Teile, das Element, welches die innersten mit den äußerste» Formen verknüpft, die Ursache der Triebe, Begierden, Emanationen, Effnlgurationen, das Bindeglied zwischen Idee und Erscheinung und zwischen den Sinneseindrücken und der Empfindung uud dem Bewußtsein." Neu und originell ist bei ihm die Art und Weise, wie er den Elektrizitätsstoff alle Bewegungen hervorrufen läßt, Wie die Be-
*) Der Aromansbau iu den chemischen Verbindungen und sein Einfluß auf die Erscheinungen. Bon L. Mann. Berlin, Friedr. Luclhardt, 1884.