Freisinnige Bünden.
n der Einleitung zu seiner Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts bezeichnet es Gervinus als eine charakteristische Eigentümlichkeit unsrer Zeit, daß in ihr der große Einfluß Einzelner, Regenten oder Privaten, kaum zum Vorschein komme. Seit Napoleon dem Ersten sei kein wahrhaft hervorragender Geist aufgetreten, der die Aufmerksamkeit der Mitlebenden vorzugsweise auf sich hätte lenken können, kein wahrhaft großer Charakter, der die Geschicke eines Volkes in seine Hände genommen hätte oder der Vertreter einer ganzen Zeitbestrebung geworden wäre. Aber darin gerade sieht der Geschichtschreiber die eigentümliche Größe unsrer Zeit. Der hervorragende Rang der großen Begabung sei in Abnahme, aber die Zahl der mittleren Begabungen in desto größerer Zunahme begriffen, im einzelnen geschehe nichts Großes und Erhabenes, aber im ganzen sei es eine wahrhaft große und erhabene Wendung in der Gestalt des öffentlichen Lebens, daß die Geschichte dieser Zeit nicht bloß Biographien nnd Fnrsten- geschichte zu erzählen habe, sondern Völkergeschichte.
Diese Worte hatten zu der Zeit, in der sie niedergeschrieben wurden, zu Anfang der fünfziger Jahre, einen Schein von Berechtigung insofern, als die vorangegangenen Jahrzehnte sich in der That erschreckend arm an schöpferischen Geistern bewiesen hatten. Daß freilich auch die tiefgehendsten Bewegungen eines ganzen Volkes nicht imstande sind, zu einem gedeihlichen Erfolge zu führen, wenn sie nicht von einer über die Masse hinausragenden Individualität erfaßt und geleitet werden, darüber hätte den Heidelberger Profeffor ein Blick auf das klägliche Scheitern der auf Herstellung der nationalen Einheit gerichteten Bestrebungen in Deutschland und Italien, sowie die vor seinen Augen sich vollziehenden Vorgänge in Frankreich, wo gerade damals die demokratische Be-
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