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Bismarck und die Religion.
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Vismarck und die Religion.

von Moritz Busch.

n der folgenden Darstellung wird der Versuch unternommen, den Reichskanzler durch Gruppirung einer Reihe öffentlicher und pri­vater Äußerungen desselben sich uach seiuer Stellung zu den göttlichen Dingen selbst charakterisiren zu lassen. Dabei wird laber mit besondrer Behutsamkeit zu Werke zu gehen sein, und uvch mehr wie bei Betrachtungen, welche Bismarck in seiner Eigenschaft als Po­litiker zu erkennen bemüht sind, werden wir uns hier vor generalisirender Be­handlung in Acht zu nehmen haben. Das ziemlich reiche Material, das uns zur Beurteilung des Verhaltens des Fürsten zur Religion vorliegt, ist nicht durchaus von gleichem Werte, es will gesichtet sein, und zwar noch sorgfältiger als das, welches für Schlüsse auf andre Züge seiner geistigen Physiognomie zur Hand ist.

Man kann eine Abhandlung über Goethe als Politiker, als Patrioten oder Kosmopoliten schreiben und damit nur zu halb wahren oder ganz unrichtigen Ergebnissen gelangen, wenn man die Meinungskundgebnngen desselben, die dabei zur Grundlage dienen nnd als Belege angeführt werden, nicht auf ihre Zeit und ihren unmittelbaren Zweck, auf ihre Entstehung und ihren Zusammenhang an­sieht. Sie sind nach der Entwicklnngsperiode des Denkers nnd Dichters, in die sie fallen, nach der Stimmung, in der er sich gerade befand, nach den Ein­flüssen, welche die eben herrschende Philosophie und die um ihn werdenden oder ihn fertig umgebenden staatlichen Zustände auf ihn üben konnten, endlich auch nach den Personen zu beurteilen, an die er sich mit ihnen wendete. Erst dann werden sie ihre rechte Verwertung finden, und erst dann wird sich das Vor­wiegende und Bleibende in ihrer Gesamtheit nach seiner wahren historischen Bedeutung Heransstellen. Wer anders verfährt nnd man ist in der That vielfach anders verfahren, wer gar mit vorgefaßter Meinung sucht und zu­sammenfügt, kcmu uns ebenso leicht deduziren, daß Goethe eiuFürstenknecht," ein Reaktionär, ein vaterlandsloscr Geist, als daß er das Gegenteil von dem allen gewesen sei. Sogar zu einer Art Sozialisten mit Phalcmstöre-Jdeen vor­nehmeren Zuschnitts kann man ihn auf diesem Wege machen, wenn man Kapitel aus Meisters Wanderjahren heranzieht. Dasselbe aber gilt in noch höherem Grade von seiner Stellung zur Religion und Kirche. Man kann aus seinen Dichtungen und seiner Korrespondenz Stellen herausgreifen, welche zu beweiseil scheiuen, daß er ein Heide oder ein Pantheist gewesen sei, und ein andrer kann mit andern Belegen ebenso einleuchtend darthun, daß er christlich gedacht und