Beitrag 
Herr von Giers in Varzin.
Seite
465
Einzelbild herunterladen
 

Herr von Giers in Varzin.

as Ereignis der vorigen Wvche war die Reise des russischen Mi­nisters der auswärtigen Angelegenheiten von Petersburg über Berlin »ach Pisa und sein Abstecher nach Varzin, und nicht un­natürlich kann mau es finden, wenn der letztere die Geisteskräfte der Staatsweisen, welche die europäische Presse mit Leitartikeln uud Korrespondenzen zu versehen haben, in ungewöhnlichem Grade in Anspruch nahm und namentlich deren Spürsinn in Bewegung setzte. Aber freilich ist dabei neben vielen wunderlichen Spekulationen und neben einigen handgreiflichen Ab­geschmacktheiten nicht eben viel herausgekommeu, was sich hören läßt. Daß wir dazu die Tabelle von Frageu nicht zählen, die Herr von Giers nach der Ver­sicherung eines Berliner Sezessiouistenorgans in den Falten seines Reisesacks zur Besprechung mit dem Reichskanzler mitgebracht hat, brauchen wir nicht zu be- tvnen, obwohl das Blatt sie von „guter Hand" haben wollte. Lächeln und Achselzucken ist alles, was verständige Leute und Kenner der Verhältnisse nnd Personen für solche Leichtgläubigkeit oder die Voraussetzung solcher Leichtgläubig­keit beim Publikum habcu können. Anch das, was manche französischen Zei­tungen sich über den Besuch des russischen Staatsmannes beim Fürsten Bismarck herausspintisirt haben, entbehrt nicht der Eigenschaft, den denkenden Leser heiter zu stimmen. Die „Franee" z. B. berichtet, daß Giers vor seiner Abreise vom Kaiser Alexander nicht empfangen worden sei, und giebt damit zu verstehen, daß dieser von der Reise seines Ministers nach Hinterpommern und den fried­lichen Versicherungen, die derselbe abgegeben, nichts gewußt habe, als ob solch eigenmächtiges Verfahren in Rußland oder irgendwo auf Erden erlaubt wäre. Nicht viel weniger ergötzlich ist die Meiuuug des „Gnulois," es habe sich bei Grenzboten IV. 1882. !>9