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Etwas von unsern Töchtern.
empfehlen. Aber richtig denken zu lernen nnd die Prinzipien der Erkenntnis für alle Wissenschaften zu erfassen, das wäre allerdings eine Methode, die über viele Schwierigkeiten hinweghelfen könnte. Dazn hätte man freilich nur bei Kant an der richtigen Quelle zu schöpfen. Ehe man das aber kann, muß dieser nnser größter deutscher Geist auf deutschen Universitäten besser begriffen werden.
Etwas von unsern Töchtern.
ie Erziehungslehre ist eine schwankende Wissenschaft, weil bei ihr Prinzip nnd Systematik, diese Hauptkennzeichen jeder Wissenschaft, durch die Flüssigkeit ihres Materials uud den nie rastenden Strom der Kultur häufigem Wechsel unterworfen sind. Insbesondre war die Erziehung des weiblichen Geschlechts bis in dieses Jahrhundert sast nur auf glücklichen Instinkt und den Drang und Zwang der Lebensnot angewiesen. Erst die neueste Zeit hat, namentlich in Deutschland, unter Schas sung eines weitverzweigten sogenannten Töchterschulwesens theoretisch vernünftigere Gesichtspunkte der Mädchenerzichung aufgestellt, freilich anch praktisch teilweise die Richtung darauf kundgegeben, keinen grundsätzlichen, höchstens einen graduellen Unterschied zwischen der Erziehung der männlichen nnd derjenigen der weiblichen Jugend der gebildeten Stände gelten und so den gerade in der deutschen Iran seit Urzeiten verehrten himmlischen Zauberfunken der Weiblichkeit allmählich ersterben zn lassen. Ohnehin ist der Glanz dieses göttlichen Feuers im Laufe der Jahrhunderte ermattet, nachdem von dem mittelalterlichen Minnedienste, welcher ursprünglich von überirdischein Dufte weiblicher Ehre und Zucht umwoben war, nur sein zweifelhaftes Schattenbild, die französische Galanterie mit ihrer Hochachtung der Sitten als Etikette und ihrer Geringschätznng der Sittlichkeit als Pflicht zurückgeblieben ist. Andrerseits sncht der moderne Materialismus die Bestimmung der Frauen in das Gebiet der nackten Nützlichkeit herabzudrücken; über jeder geistigen Beschäftigung oder Übung, welche man den Mädchen zumutet, ruft er ein ängstliches „Blaustrumpf iu Sicht!" und seine Erinnerung an das goldne Mittelmaß verrät meist nur eine alles geistigen Metalles bare Mittelmäßigkeit. So dürfte denn aus mehr als einem Grnnde eine erneute Betrachtung der besondern geistigen Natnranlagen und des Berufes der Frau in Hinsicht auf die gegenwärtige Kulturstufe, sowie auf die obersten Gesichtspunkte, welche sich hieraus für die Erziehung unsrer Töchter ergeben, dem einen oder andern Leser dieser Blätter nicht unwillkommen erscheinen.