Beitrag 
Preußen nach dem Basler Frieden.
Seite
279
Einzelbild herunterladen
 

Das Schnorrsche Kriegsspiel am sächsischen Hofe.

279

Wiederholt versichern, daß mau im Vereine mit Rußland vermittelnd auftreten wolle, wofern Frankreich sich zn maßvolleren Friedensbedingnngen bequemen wolle.

In eine neue Entwicklungsphase traten die Verhandlungen zwischen Frank­reich nnd Preuße» erst, als durch den Sieg bei Marengo Frankreich wieder obenauf gekommen war. Am 30. Juni 1800 schon bot Friedrich Wilhelm dem ersten Konsul abermals seine Vermittlung für eiuen Frieden an, wobei er an­deuten ließ, daß er bei seinen Bestrebungen auf den Kaiser von Rußland rechnen könne. In Paris zeigte man nur geringe Neignng, auf dieses Auerbieten ein­zugehen. Man tadelte bitter die Politik der unbedingten Neutralität uud ver­sprach sich von einer preußischen Vermittlung gegenüber den Österreichern uinsoweniger, als deren Widerstand bei Marengo gebrochen schien nnd dieselben schon in Paris über den Frieden unterhandelten. Dagegen konnte Prenßen den Weg zur Verständigung mit Rußland weiter bahnen, dessen man gegen England bedürfte, und so dankte man nach dieser Richtung sür den guten Willen Preußens und bat driugend, dasselbe wolle sich für eine Aussöhnung zwischen Frankreich und Rußland verwenden. Das entsprach aber auch vollständig den Gesinnungen und Wünschen Friedrich Wilhelms, dem daran lag, sein politisches System ans die freundschaftlichen Beziehungen zn den miteinander ausgesöhnten großen Nach­barstaaten zu begründen. Auf seiue Anregung kam es im Herbst des Jahres 1800 zwischen Rußland und Frankreich zu Verhaudlungen, die für die allge­meinen Verhältnisse Europas wie für die besondern Beziehungen Prenßens zn Frankreich eine neue Epoche einleiteten.

Hierüber wird der zweite Baud des hier besprochnen Werkes neue Auf­klärungen bringen. Inzwischen sei dasselbe als ein auch für andre als die hier hervorgehobenen Ereignisse nnd Verhältnisse vielfach lehrreiches Werk Frennden der Geschichte bestens empfohlen.

Das ^chnorrsche Kriegsspiel am sächsischen Hofe.

er handschriftlich im Besitz der Familie aufbewahrten Selbstbio­graphie des bekannten Direktors der Leipziger Akademie der bil­denden Künste, Veit Hans Schnorr von Carolsfeld, in die nns kürzlich ein Einblick gestattet wnrde, entnehmen wir die nachfolgende kleine Episode, die außer dem lokalen Interesse in mehrfacher Hin­sicht einen gewissen historischen Wert beanspruchen darf.

Als im Frühjahr 1809 jener denkwürdige Krieg zwischen Napoleon und Österreich entbrannte, der, hochherzig unternommen, trotz blutigen Einsatzes auf