Von Zeitschriften.
Epistel von Otto Roqnette.
Ob ich die Mvncitschrift scholl gesehen, die neuste, so fragst dn? Welche der neusten, v Freuud, ist gemeint? Denn so lange das Jahr geht, Bringt fast jeglicher Monat die neuste. Du rühmst, daß die „ersten Kräfte" dafür man vereint, sie zur ersten von allen zu macheu? Wende dich zur vvrneusteu, zur vorvoruensteu, zur drittletzt- Neusteu, sie rühmten sich alle des Gleichen, sie hatten die „ersten Kräfte" des Tages vereinigt, und immer dieselben! Sie wären Dumm auch, wenn zum Versuch mit geringern sie liebelten, oder Gnr das Geständnis wagten, sie machten sich nichts aus den Ersten. So schwemmt Jahr um Jahr eiu Dutzend uns über das andre Hart au den Hals von den „Ersten." Man stickt fast, denn die papierne Nut staut riugs sich umher. Oft ring' ich um Atem, mich faßt ein Schreck schon, wenn sich mir kanm noch Gerettet-Erholtem die „ersten Kräfte," schvn wieder vereint, aus dem lockenden Titel der neusten Monat-, Wochen- uud Tag-Zeitschrift sich verkünden! Die alten, Ältere», ältesten auch, die sich eiust als die neusten einpfählen, Pochen dazu auf das Frcundschaftsrecht, uud so weiß mau vor Pflichten, Bilduugsbestrebeu, Genuß und Bereicherung schwer sich zu fasseu.
Dacht' ich zuweileu, die heut schriftstellernde Welt sei au Umfaug Größer als die nur leseude, sei auch bestimmt nur, den Gleichen Gleiches zu bieten, den rastlos einzig genießenden, oder Unter einander sich aufzufressen, wie in der Natur die Schönsten Geschöpfe, mit Zahn und mit Klauen und mordendem Schnabel: Greuzboten IV. 1882. 2?