152
Literatur.
Andrew ging min zn der Thür des Knmmerchens und lies; Julien ein.
Tansend, wenn der nicht ein Hexenmeister ist! flüsterte Jonas. Beschwört einen Engel ans seinein Tellerschrank!
Julia sah niemand und nichts als das blasse nnd abgefallene Gesicht auf dem Kopfkissen. Die Angen waren jetzt wieder geschloffen, nnd sie schritt rasch über die Dielen, beugte sich — nicht ohne ein schwaches jungfräuliches Erröte» — nieder und küßte die von der Fieberhitze verdorrten Lippen, von denen das Leben bereits entflohen schien.
Und Angust machte mit Schwierigkeit seine abgemagerte Hand von der Bettdecke frei und legte seine kraftlosen Finger — ach! jetzt denen eines Skeletts gleich — in die lebenswarme Hand Juliens und sagte — sie bengte sich nieder, nm zn lauschen, als er mit schwacher Stimme durch die trocknen Lippen ans einem vollen Herzen flüsterte —: Gott sei Dank!
Und der Philosoph sagte, indem er die Worte aufnahm, hörbar: Amen!
Die Mutter aber weinte nur.
(Fortsetzuug folgt.)
HMßMS?!
Literatur.
Rheinsberg, Friedrich der Große und Prinz Heinrich von Preußen von Andrew Hainilton. Mit Bewillignug des Verfassers aus dein Englische» überseht vou Rudolf Dielitz. In zwei Bünden. Band 1. Berlin, R. von Deckers Verlag, 1882.
Im großen nnd ganzen an Carlyles Darstellung sich anlehnend, schildert Hamiltvn nach Friedrichs Schriften wie nach den Aufzeichnungen seiner Gefährten und Zeitgenossen die fröhlichen Tage der Rheinsberger Zeit. Mag sich auch manches gegen die Form des Buches einwenden lassen, das in eine Reihe nur locker zusammenhängender Aufsätze über alle die Männer zerfällt, die damals Friedrich näher traten und denen er sich mit der begeisterten Hingabe seines jugendlichen Herzens anschloß, so gewährt doch die Lektüre mancherlei Belehrung und daneben angenehme Unterhaltung. Nicht nur, daß manche Irrtümer, welche sich bisher in den Werken, die jeue Epoche in Friedrichs Leben behandeln, noch erhalte» haben, berichtigt werden; das ganze Bnch zeigt auch so warine Begeisterung für feinen Helden, so tiefes Verständnis für Friedrichs Zeit und auf jeder Seite ein so feines, zutreffendes Urteil über Friedrich selbst und seine Rheinsberger literarische und künstlerische Thätigkeit, es ist endlich mit solcher Behaglichkeit und frischem Humor geschrieben, daß wir nnr wünschen können, es möge auch in seinein deutschen Gewände recht viele Leser finden.
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grnnow in Leipzig. Verlag von F. L. Herbig in Leipzig, — Druck von Carl Maranart in Nendnitz Leipzig