Beitrag 
Die Klaviermusik seit Robert Schumann :
(Schluß.)
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

Die Klaviermusik seit Robert Schumann.

Von Hermann Krotzschincrr. (Schluß.)

nter der Zahl der Virtuosenkomponisten sind noch I. Winiawski und I. Wielhorski bemerkenswert, jener dnrch den Enthusiasmus, in niclchen ihn das Geflatter der eignen Töne zu versetzen scheint, dieser dnrch die natürlich weiche Stimmung seiner Bagatellen. Einer der fleißigsten ans dieser Klasse, Rudvlph Wilmers, ist heute total veraltet. Seine Kompositionen sind plump überladen, mattherzig, haben keinen Geist nnd kein Ende. Selten, daß man ihn einmal bei einem vornehmeren Gedanken trifft wie in der Mnäe äs Oonoert (or<. 105). Das­selbe Schicksal wie Wilmers' Kompositionen haben auch die von Hans Seeling erfahren, dessen zu ihrer Zeit pikante Harmonien hente jede Spitze eingebüßt haben. Uns will es hente unbegreiflich erscheinen, wie dieses stumpfe Talent mit seinen ewigen zweitaktigen Perioden jemals für einen poetischen Kopf gelten konnte, wie man ihn, der bestenfalls Mendelssohn oder Schumann zitirt, für originell halten konnte. Littolf, der in der Orchesterkomposition eine Zeit lang als Revolutionär galt, zeigt sich in seinen virtnosen Salonkompositionen für das Klavier sehr zahln, schmachtend nnd mitunter geschmacklos. Nur das Phan­tastische scheint ihu wirklich etwas aufzurütteln. Interessant ist z. B. sein Scherzo (c>x. 115), ein wie ein Irrlicht hin- und hertänzelnder, nirgends saßbarer Satz, und die Walpurgisnacht, ein wildes nnd rohes, aber doch von wirklicher Kraft erfülltes Stück. Leschetizlch steht ans der Grenze des Zulässigen. Einzelne musikalische wertvolle Züge und ab und zu ein poetischer Brocken verraten, daß er etwas Gutes könnte.

Einer der besten Komponisten im virtuosen Salonsache ist Theodor Kullack. Mit seinen Oktavetüden als guter Musiker und Pädagog weit nnd breit doln- mentirt, hat er auch in den brillanten Kleinigkeiten, die ab und zu aus seiuer Feder kamen, meist einen Zng von Größe nnd Noblesse behalten. Er erscheint wie ein Mann, der den Kiuderu zu Liebe einmal mit Faugball spielt. Er wirft aber iu Kraft und Übermut ewige Läugeu weiter als die cmderu. Einzelne seiner feinen Salonsachen, wie die v^rmides, Z^IMicI.68, das frische, kecke, launige l'n'l>nl<! et Lodvi^o, die Kd«d.k?.vrg.Äv gehören zu dein besten der Gattung und können mit den Werken Hellers verglichen werden. Oft genug allerdings ver­fällt auch er der landläufigen Sentimentalität, welche für die Salon- und Thee­musik mm einmal kanonisch zu sei« scheint.