Konkurrenzen in der Erklärung der deutschen Familiennamen.
von A. G. Alldresen.
er irgend eiinual über Bedeutung nnd Bezichnng unsrer dentschen Geschlechts- oder Familiennamen nachgedacht hat, dem tritt alsbald die Überzeugung entgegen, daß ein großer Teil derselben sich einer Erklärung oder wenigstens einer befriedigenden Erklärung hartnäckig weigert, ein andrer zwar, oberflächlich betrachtet, einen Sinn bietet, aber die Vermutung hinterläßt, daß das wahre Verhältnis im Grunde ein ganz anderes sei, uud daß man sich dnrch den änßern Schein habe bestimmen uud verführen lasfen. Dieser Schein trügt sogar, was sich ohne handgreifliche Beweise kaum denken läßt, uicht einmal immer den Charakter einer gewissen objektiven Berechtignng, sondern geht znweilen ans der Gedankenlosigkeit oder dem Eigensinne des Erklärers hervor, in einzelnen Fällen selbst ans seiner tadcluswerteu Neigung, auf Kosten der ihm uicht unbekannten Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit unerfahrene, für Scherz empfängliche Leser eiue Weile zu belustigen.
Ein Vergleich jener ältern falschen Deutungen, welche, früh begouuen und herkömmlich fortgesetzt, noch zum großen Teil in das jetzige Jahrhundert hereinreichen, mit dcnjeuigen nicht minder verfehlten, denen wir in einer viel jüngern Zeit bei einzelnen Schriftstellern begegnen, läßt auf der einen Seite das Gefühl eines gewissen mit aller Achtung verträglichem Wohlbehagens, aus der audern das des gerechten Unmuts zurück. Daß die ältere Zeit für etymologische Untersuchungen nicht oder uicht hinreichend gerüstet war, das weiß man von vornherein, wnndert sich daher nicht allzusehr über die Erscheinungen; von der neuern aber darf mit Recht erwartet werden, daß sie die Ergebnisse der auf neue Gründe erbnuten Sprachwissenschaft sich uud audern zu Nutze mache.
Längst abgethan find uud nnr noch ein vorübergehendes historisches Interesse haben Erklärungen wie ^rnolä nud Mcckrlrolä als Ehrenhvld uud Noßlieb <UIuli>>>>u><), s-o,I<'I>!U'l (Gotthard) als gute Art, (Za-nA-olt' als gehende Hilfe, sovne die Übersetzung von (üniläkriczd, Roclkrioli, Ivuni<>'un<I>> durch die adjektivischen Ausdrücke kinderreich, ratreich, dem Könige günstig. Werden diese Deutungen genauer angesehen, so zeigt sich, daß sie teils auf Unkenntnis des Altdeutschen beruhen, teils von der nicht unnatürlichen, beinahe selbstverständlichen Neigung, das in der bekannten Sprache zunächst liegende zu ergreifen, veranlaßt worden find. Die Entstellung uud Umänderung von -c>I<I (zu ^v-Mon)