Thomas Carlyle.
2.
er Dämon Carlyles wie der manches andern neueren Schriftstellers wurde die Politik. Er wnr zu eigenartig selbständig angelegt, nm ai? dem eigentlich politischen Leben der Zeit, au der Herrschaft der Durchschnittsbildung und des Massenvorurteils iu parlamentarischen Versammlungen und in der Journalistik dauernden Anteil nehmen zu können. Die Partei, der er mit Seele und Sinnen angehört hätte, lag in der Vergangenheit, beziehungsweise in der Zukunft. Die Art seiner Bildung und Anschauung, die gewaltige Auffassung, welche er von den ersten und letzten Zwecken des Daseins hatte, verboten ihm bei aller Neigung snr „Wirklichkeiten" die Einmischung in die Vorfälle und Zufälligkeiten des Tages. Und sicher hätte ein Schriftsteller, der wie Carlhle als Prophet vom Berge, ja gelegentlich als zornblitzeuder Gott aus der Wolke zu seinem Volke sprach, sich auss strengste jede Beteiligung an Dingen versagen sollen, die noch nicht klar lageu und deren wahres Gesicht sich erst zeigen mußte. Allein der Einfluß der englischen Gewohnheiten und gewisse Aufwallungen Carlyles waren stärker als das Bewußtsein dieser Verpflichtung. Hie und da glaubte der reizbare und überreizte Mann dennoch in den Tagesfragen das Wort ergreifen zu müssen. Der Jugrimm über das, was liberales Geschwätz war oder was er so schalt, die bittere Abueigung gegeu falsche Humanität und Sentimentalität, der leidenschaftliche Widerwille gegen alles pflichtlose Glückverlangen lebten tief in seiner Seele nnd entluden sich bei Veranlassungen, welche so uugüustig als möglich waren. Wer, der reinen Anteil cm Carlyle nahm und mit ihm des fröhlichen Glaubens lebte, daß diese Welt „nicht auf Falschheit uud Geschwätz, sondern auf Wahrheit und Vernunft gegründet ist, daß nichts Gutes, das von irgend einem der Geschöpfe Gottes vollbracht wurde, jemals verloren war oder sein wird," Hütte zustimmen mögeu, wenn er sich verleiten ließ, für die Sache der amerikanischen Sklavenhalter einzutreten, wenn er dem Komitee prcisidirte, das den Gouverneur Ehre von Jamaika uud seine brutalen Grausamkeiten verteidigen sollte, wenn er beim Ausbruch des russisch-türkischen Krieges von 1877 aus keinem bessern Grunde für die Russen eintrat, als weil sie „das Talent des Gehorsams, des schweigenden Folgeleistens, wenn ein Befehl gegeben wurde, besitzen," was man bei der uuiversellen Vergötterung des Stimmzettels, der göttlicheil Freiheit u. s. w. sür eine sehr wertvolle und charakteristische Gabe halten müsse. Wer hätte Freude gewinnen können an der zur Manie gewordenen Lobpreisung der „Energie," unbekümmert darum, ob dieselbe von Ge-