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Die Lage in Frankreich.
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Die Lage in Frankreich.

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es zu verteidigen. . . Das englische Volk will, daß dieser Krieg seine Kontrole über den Weg nach Indien und über das wichtige Nilthal feststelle, und zwar um- jeden Preis. Das kann geschehen durch Verständigung mit dein Sultan und Annäherung an die deutschen Mächte."

Hierin liegt Wahrheit. England hat gehandelt, Frankreich unthätig zwischen Widersprüchen hin- uud hergeschwaukt, gewollt und nicht gekonnt und zuletzt den Staudpunkt des verdrießlichen, mißtrauischen Zuschauers eingenommen. Es wollte nicht mit der Psorte und nicht mit England gehen. Es ließ dieses die Arbeit thun und mochte jetzt den Lohn dafür teilen. Es blieb müßig aus Rück­sichten auf deu Nachbar im Ofteu, Rücksichten, die ein grundloses Mißtrauen einflößte. Seme ganze Politik, die äußere nnd nicht minder die innere, wird von Mißtranen eingegeben. Man hegt weder zu Gambetta, der handeln, noch Zu Freyeiuet, der abwarten wollte, Vertrauen. Wollte man sich nicht an Eng­lands Seite stellen, so mußte man sich ohne Vorbehalt demeuropäischen Konzert" anschließen. Keiner von diesen beiden Wegen wnrde betreten. Aber was man freiwillig nicht thun wollte, wird man schließlich thun müssen, d. h. wan wird bei der Wahl zwischen der Alternative: Lösung der ägyptischen Frage K^gen Europa oder Regelung derselben mit Europa der letztern den Vorzug geben. Dabei wird mau aber von seinen Ansprüchen ans Einfluß in Ägypten sv viel aufgeben müssen, als Englands Opfer und Siege in der Sache wiegen, ^ns mag bitter sein, läßt sich aber nicht nmgehen. Die östlichen Mächte werden Keinesfalls den Beruf empfinden, den Franzosen zu helfen, wenn sie versuchen wlllen, die Stellung in Ägypten wiederzugewinnen, auf die sie durch Nicht- Beteiligung nm Kriege thatsächlich verzichtet haben. Andrerseits aber wird Eilg­eld mit ihnen gewiß gern ans freundschaftlichem Fnße bleiben, aber zu diesem -Zwecke sicher nicht über ein bestimmtes von seinen Interessen diktirtes Maß von

^chgiebigkeit hinausgehen. Eine Allianz mit Frankreich aber hat für England wcht mehr den Wert, den sie früher besaß, auch hat die Erfahrung gelehrt, daß

"bei nicht viel Vorteil für England abfüllt, wohl aber Beeinträchtigungen dessen ""zutreten Pflegen, was dasselbe als ihm dienlich anzusehen hat. Die Sym­pathien der englischen Liberalen für Frankreich wiegen die rechtverstandenen In­dessen des britischen Reiches nicht auf, uud diese weisen ganz entschieden auf

entschland hin. Deutschland und das mit ihm verbündete Österreich-Ungarn

"erden keine Einwendungen machen, wenn England, wie zn erwarten steht,

"uig und maßvoll sich in Ägypten solche Bürgschaften verschafft, wie sie es znm

^ ehutze seiner Interessen dort für notwendig hält, und sie werden nicht glauben,

^ die Wiederherstellung der gemeinschaftlichen Kontrole ein Gebot der Billig­et sei.

Sv wird die Pariser Deputirtenkammer, wenn sie wieder zusammentritt, /'n den Erklärnngen der Regierung in Bezug auf die Stellung Frankreichs Orient vermutlich uicht sehr erbaut sein. Man wird da erfahren, daß man