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Zur Rechtschreibung der Fremdwörter.
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Zur Rechtschreibung der Fremdwörter.

bhandlungen über Orthographie sind an der Tagesordnung. Auch die Grenzboten haben in letzter Zeit schätzbare Beiträge zu der Streitfrage gebracht. Daß wir von einer Einigung noch immer sehr weit entfernt sind, ist nicht zu leugnen, allein man darf wohl Zweifel hegen, ob eiue solche jemals werde erzielt werden. Eine so weuig disziplinirte, so voll Schulmeistergeist uud Rechthaberei steckende Nation wie die deutsche würde sich uicht eiumal fügen, wenn sie eiue einzige Akademie hätte und diese ein Normalwörterbuch aufstellen wollte; iu jedem Winkel würde ein Pedant seinen Querkopf aufsetzen, und vielleicht erschiene die Verteidigung der unveräußerlichen Schreibfreiheit als ein neuer Punkt in dem Programm der oppositionellen Parteien. Dem Besseren, welches der sprich­wörtliche Feind des Guteu ist, tritt bei uus immer uoch das Beste in den Weg: wäre der Fortschritt uoch so groß, wir verschmähen ihn zn machen, wenn er nicht direkt an das ideale Ziel führt. Einen Fortschritt erblicken wir unsrer­seits schon in der vielseitigen Teilnahme au der Diskussion. Sie bekundet doch wenigstens Anteil an dem Ergchen der Muttersprache, die mau sonst gleich- giltig jeder Mißhandlung preisgab. Und dieses erfreuliche Interesse an dem Gegenstande ermutigt uus, eiue Seite derselben zu berühren, welche gewöhnlich unbeachtet bleibt, während jede Regelung der Rechtschreibung, werde sie vou welcher Autorität auch immer durchgesetzt, doch Stückwerk sein müßte, wenn sie nicht die Schreibung der Fremdwörter mit in Betracht zöge.

Daß diese Frage überhaupt existirt, dauken wir auch nnr jener Pedanterie, welche uns so schwer zu einheitlicher Schreibung des Deutschen gelangen läßt. Jedes andre Volk macht mit den einer fremden Sprache entlehnten Wörtern wenig Federlesens; es spricht sie aus, wie sie ihm in den Mund passen und schreibt sie nach der Aussprache. Wir dagegen setzen einen Stolz darein, die Nationalität jedes solchen Einwanderers, sei er Franzose oder Engländer, Slo­wake oder Hottentotte, gewissenhaft zu kouserviren wir, die berüchtigten Ger- rncinisatoren. Im Gebrauche von Fremdwörtern gehen wir jetzt im Durchschnitt verständig zu Werke/') wir halten uus gleich fern von dem einstige» geckenhaften Kauderwälsch wie von pedantischem Purismus. Fast jedermcmu ist darauf be­dacht, entbehrliche Fremdwörter, die sich in unsere Sprache eingcschlichen haben, auszumerzen, verkennt aber nicht, daß in der That die Entbehrlichkeit feststehen muß. Gesetze lassen sich dafür nicht geben, zahllose Fremdwörter haben sich

"°) Wirklich? Uns scheint es im Gegenteil, als ob die Fremdwörterseuche in der Tagespresse wenigstens mit jedem Tage schlimmer würde. D. Red.