Literatur.
Allgemeine Weltgeschichte vou Georg Weber. Zweite Auflage, unter Mitwirkung von'Fachgelehrten revidirl und überarbeitet. Lieferung 1—ü. Leipzig, Wilhelm Engel.
mann. 1882,
Während man im vorigen und noch im Anfange unsers Jahrhunderts mit besondrer Vorliebe sich der Weltgeschichte, als der Entwicklungsgeschichte des menschlichen Geschlechts, zuwandte, hat sich hierin in den letzten Jahrzehnten eine Änderung vollzogen. Man hat darauf verzichtet, in der Weltgeschichte einen allmählichen, sichern Fortschritt nachzuweiscu und von diesem Standpunkte ans die Thatsachen zu beleuchten, nnd begnügt sich damit, lediglich die Geschichte der einzelneu Kulturvölker zum Gegenstande der Darstellung zu machen. So sind denn unsre jetzt gangbaren Allgemeinen Weltgeschichten weiter nichts als Sammlungen von Geschichtsdarstellungen der wichtigsten, in Zusammenhang mit einander stehenden Kulturvölker, und diese Auffassung ist so zu allgemeiner Herrschaft gediehen, daß Onckcns Weltgeschichte, welche auch äußerlich iu eiue Reihe von Einzeldarstellungen zerfällt, des Beifalls sicher sein durfte und andrerseits Rankes neues Unternehmen, welches die Weltgeschichte wieder in einem Guß darzustellen beabsichtigt, vielfach den Zweifel hervorrief, ob überhaupt eine solche Art, Weltgeschichte zu schreiben, hente noch gerechtfertigt oder auch möglich sei.
Webers Weltgeschichte, deren zweite Auflage uus jetzt mit einer Anzahl iu rascher Folge erschienenen Lieferuugeu vorliegt, hält sich frei vou jeder gewaltsamen Auffassung nnd willkürlichen Znrechtlegnng der Ereignisse und verzichtet darauf, durch eigentümliche Gruppirung den Leser zn überraschen. Ohne jedes politische Räsonnement, mit größter Unbefangenheit giebt sie den ungeheuern Stoff wieder, erzählt sie, die politischen Wnudluugeu uud die Bewegungen ans geistigem Gebiete gleichmäßig bedenkend, die Geschichte der einzelnen Völker und bemüht sich, die Einwirkungen der Nationen auf eiuander darzulegen.
Selbstverständlich sind die älteren Bände, die sich mit der Geschichte der orientalischen Völker, der Griechen uud Römer beschäftigen, bei der außerordeutlicheu Regsamkeit, welche ans diesem Gebiete in dem Vierteljahrhundert, das seit Erscheinen des ersteu Baudes der Weltgeschichte verflossen ist, geherrscht hat, zum Teil veraltet. Es machten sich daher bei der neuen Auflage mancherlei Nmarbeituugeu "vtwendig, die, mit Hinzuziehung von Fachgelehrten vorgenommen, dem Buche zn Swßem Vorteil gereicht haben, ohne dabei Haltung uud Charakter des ganzen WMes zu gefährden.
Wir können Webers Weltgeschichte, die an Fülle des Stoffes, an Zuverlässigst uud Objektivität alle auderu Weltgeschichten übertrifft, unsern Lesern als lehrreiches, unterhaltendes Lesebuch wie als eiu selten versagendes Nachschlagewerk nur ""gelegentlichst empfehlen. Die Ausgabe in Heften erleichtert die Anschaffnng des Werkes.
?,?e Frauenfrage im Mittelalter. Vortrag, gehalten am 23. März 1882 im Liebigschen 'V°rsnnle zu München von Dr. Carl Bücher, Privntdozent der Staatswissenschaftcn an der Universität München. Tübingen, Lanpp, 1882.
Ein interessantes kulturhistorisches Schriftchen ist diese „Frcmenfrage im Mittelalter," oder sagen wir Frauenerwerbsfrage, denn auf diese Seite der heutigeu Frauen-