4NZ
Aichard Wagner's „King des Mbelungen"
4-
Die Möglichkeit der scenischen Gestaltung.
Bei der Nacherzählung von Wagner's Tetralogie waren wir vornehmlich bemüht, das dramatische Nervengesiecht der Handlung sichtbar zu machen. Alle Züge, die nur der charakterisirenden Ausführung angehören, wurden übergangen, darunter auch ganze Scenen, wie im „Siegfried" die Scene zwischen Alberich und Mime, in der „Götterdämmerung" zwischen Alberich und Hagen. Auf manche Schönheiten der poetischen Farbe aufmerksam zu machen, gestattete der Zweck nicht, den wir uns vorgesetzt. Die lebendige Erscheinung der dramatischen Gestalten und ihrer Thaten gehört aber zur vollständigen Dichtung.
Bei einem Bühnenwerk ist die Frage von entscheidender Bedeutung, ob die Vorgänge bühnengemäß und bühnenfähig sind. Nichts wäre oberflächlicher, als die Bühnenfähigkeit dramatischer Dichtwerke für eine untergeordnete zufällige Eigenschaft zu halten. Unrichtig ist es aber, die dramatische Wirkungsfähigkeit und die Bühnenfähigkeit für identisch zu halten. Es giebt allerdings Dramen, die in nichts weiter dramatisch sind, als in der dialogischen Form. Macht man aber von diesen Dramen, die gar keine Dramen sind, den Sprung zu den wirklichen Dramen und langt sogleich bei den bühnengemäßen Dramen an, so überspringt man eine Art dramatischer Dichtungen, die alle Eigenschaften eines wirklichen Drama haben und doch der Bühne widerstreben, lediglich durch die Voraussetzungen ihrer sinnlichen Erscheinung, nicht aber, wie die unechten Dramen, durch den Mangel an wahrer Handlung oder durch die undramatische Beschaffenheit der von ihnen dargestellten Handlung.
Die Handlung in allen vier Dramen der Wagner'schen Tetralogie ist echt dramatisch und nicht selten hochdramatisch. Der erste Akt der Walküre reiht sich den höchsten Mustern an, auf die Zusammenknüpfung der großgegliederten Handlung durch vier Dramen hindurch, deren jedes doch für sich ein wahres abgeschlossenes Drama ist, sowie auf den Parallelismus in der Haupthandlung, die sich dennoch als eine Doppelhandlung darstellt, wovon die eine mehrgliedriger ist als die andere, haben wir schon aufmerksam gemacht. Auch haben wir die Einfachheit der Entwicklung hervorgehoben, welche ein Zeichen der wahren Kunst ist, wenn aus einfachen Motiven große Vorgänge sich entwickeln.
Dem allen ungeachtet muß die Bühnengemäßheit der Wagner'schen Dramen ernstliche Zweifel hervorrufen und zwar nur wegen ihrer scenischen Dar-