414
Die Auffände im Hroszherzogthum Luxemburg und ihre
Ursachen.
Das Luxemburgische Volk ist ein durch und durch deutsches. Seine Gemüthsart, seine Sprache, seine Sitten und Bräuche, sein Volkslied — alles ist deutsch an ihm. Dies Volk, wie seine Sprache das unwiderleglich darthut, ist rein altsächsischen Stammes. Sein Dialekt ist fast genau derselbe, wie derjenige der Sachsen in Siebenbürgen. Verschiedene Luxemburger, die durch Siebenbürgen gekommen sind, haben sich dort wie in ihrer Heimath unter den vaterländischen Lauten wiedergefunden. — Die Bevölkerung des Großherzogthums ist im Großen und Ganzen genommen noch immer eine durch und durch gesunde und unverdorbene, so vieles auch die Jesuiten und ihre Helfershelfer seit etwa 40 Jahren gethan haben, um sie zu demoralifiren und für ihre schlechten Zwecke reif zu machen. Das arme Vvlklein, so treu, so bieder,*) so rührig und so gutmüthig, ist, soweit man zurückdenken kann, stets der Spielball in der Hand des Fremdlings gewesen. Es hat mit seinem Blute alle Schlachtgesilde Europas düngen helfen müssen. Es hat allen fremden Mächten ringsherum der Reihe nach gedient: dem Burgunder, dem Spanier, dem Oesterreicher, dem Franzosen, dem Holländer, dem Belgier, und ist meistens nur ein Mittel in der Hand der Gewaltherrschaft zu fremden Zwecken gewesen. Von keiner Gewaltherrschaft aber ist es so Mitleids- und rücksichtslos ausgebeutet worden, als von der Priesterherrschaft, nicht einmal von der Feudalherrschaft. Sogar die französische Revolution von 1793, die in diesem Ländchen mit so vielen alten und verrotteten Zuständen aufgeräumt hat, konnte die Priesterherrschaft nicht auf die Dauer brechen. — Wie groß die Macht der schwarzen Sippe im Luxemburger Lande schon wieder im Jahre 1830 war, beweist die ungeheuere Leichtigkeit, mit welcher in diesem Jahre ein ganzes Volk, auf das Wort seiner Priester und ihrer verkappten Helfershelfer, seinem angestammten Fürsten den Eid der Treue brach, sich von dem Herrscherhnuse lossagte, und sich den Revolutionshelden in Belgien, diesen Werkzeugen des Jesuitismus, anschloß. Von dieser belgischen Revolution an datirt der Aufschwung der finstern, reactionären Mächte, die heute das Luxemburger Land so zu sagen unumschränkt beherrschen. Die Dynastie des erlauchten Hauses von Oranien-Nasfau war den Dunkelmännern in Belgien und bei uns viel zu liberal. Wilhelm I., der König von Holland und Großherzog von Luxemburg, that zu viel für Volksbildung, sowohl in Belgien und bei uns, als in Holland selbst. Die Volksschulen, die bis dahin so
') Ein alter Geschichtschreiber hat die Luxemburger „Ein gut getrew Volt" genannt.