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Ich ziehe die einschläglichen Stellen aus: . . . Vnd sonderlich wil ich euch das mitler Blat mit meiner aignen Hand fleisig mallen, aber nichts desto minder seind die Fliegel außwendig entworffen, das von Stainfarb wirdt, Habs auch vndermallen laßen. . . . (Zweiter Brief) . . . Die Fliegel seindt außwendig von Stainfarben außgemalt. aber noch nit gefirnist vnd innen seind sie ganz vndermalt, das man darauf ansang außzumallen. Vnd das caput hab ich mit gar großem Fleiß entworffen mit länger Zeut, auch ist es mit 2 gar guten Farben vnderstrichen (will bedeuten eine doppelte Grun- dirung) das ich daran anfachen zu vndermalen, denn ich hab in Willen so ich euer Mainung verstehen wirdt, etliche 4 oder S vnd 6 mal zu vndermalen von Rainigkeit vnd Beständigkeit wegen. (Dritter Brief)... Den die Taffel ist nach vnden gar auß gemacht, allein sie ist nit gefirneist, vnd oben ist noch etlich Ding von Kindlein außzumachen. (Fünfter Brief)... Den ich hab sie mit großem Fleiß gemahlt alß ihr sehen werdt, ist auch mit den besten Farben gemacht, alß ich sie hab mögen bekommen, sie ist mit guter ultramarin vnder, ober vnd aufgemalt, etwa 3 oder 6 mahl vnd, da sie schon außgemacht war, hab ich sie darnach noch zwiefach vbermalt, vf das sie lang zeut wahre... last sie aber sonsten niemand mehr Furneißen, den alle Furneiß sind gelb vnd man wurde auch die Taffel verderben." (Achter Brief).
Wenn hier Dürer sagt, daß er das Hauptstück mit gar großem Fleiß entworfen habe in längerer Zeit, so hat das seine volle Richtigkeit. Es eri- stiren — während das hiergenannte Altarwerk im Jahre 1674 zu Grunde gegangen ist — noch ein Reihe von Studienblättern, Köpfe und Gewandstücke, welche in verschiedenen Sammlungen zerstreut sind. Wir nehmen hierdurch Veranlassung einen Blick auch auf Technik und Apparat des Zeichners zu werfen.
In der Zeit, von welcher wir reden, dem ausgehenden Mittelalter und dem Beginn der Renaissance ist die Produktion in Kunst und Buchhandel eine bereits so starke, daß das Pergament ein zu theures und unzureichendes Material geworden ist. Man wendet es vorherrschend nur noch zu Docu- menten und Schriften, respektive Drucken an, die eine besondere Dauerhaftigkeit haben sollen — wie denn auch die täglich gebrauchten Blätter in den Missales auf Pergament gedruckt werden, wenn schon der übrige Theil des Buches aus Papier besteht. Hierbei herrschte im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundertjener Vandalismus. alte werthvolleManuscripte abzuwaschen und neu zu beschreiben, dem die deutschen Kaiser mit dem Gebot entgegentraten, daß von feiten der Notare nur ganz neues Pergament verwendet werden dürft. Im Laufe des fünfzehnten Jahrhundert beginnt man Papier fabrikmäßig darzustellen. Jost Amman, ein nürnberger Kupferstecher des 16. Jahrhunderts, zeigt uns das ziemlich primitive Innere einer solchen Fabrik. Ein Hackwerk, welches durch