23«
Allerdmgs haben die Herren nur eine rein seminaristische Bildung genossen und diese war in früheren Zeiten noch ein gut Theil mangelhafter als jetzt. Es könnte also doch fraglich erscheinen, ob das Cultusministerium in solchen „Fachmännern" einen entsprechenden Ersatz für die bisherige Aufsicht der Superintendenten erkennen, ob es namentlich auch einen solchen „Fachmann" heranziehen wird, der, wie wir oben gezeigt haben, nicht einmal in dem richtige Gebrauch der deutschen Muttersprache tactfest ist. Auch scheinen die für die Schulinspectoren angenommenen Gehaltssätze von 1500— 1800 Thalern, welche den Gehalten der Gymnasial- und Realschuldirectoren nahe kommen oder gleich stehen und die der Seminardirectoren übertreffen, darauf hinzudeuten, daß sich das Cultusministerium unter den „bewährten Fachmännern" doch nur Leute denkt, die ihre vollen akademischen Studien gemacht haben, die wie die preußischen Regierungsschulräthe auch durch ihre wissenschaftliche Bildung einen hebenden und belebenden Einfluß auf die ihrer Aufficht anvertrauten Lehrer üben können. Der Mangel einer gediegenen wissenschaftlichen Bildung läßt sich leider auch durch ein noch so großes Maß loyaler Gesinnung nicht ersetzen, und so wird sich schließlich Wohl doch herausstellen, daß alle jene stürmischen Bewerbungen um die Gunst des hohen Cultusministeriums nichts anderes waren als — verlorene Liebesmühe.
Auf Mitleid werden dann die Dresdner Schulmonarchen allerdings nicht rechnen können, dafür haben sie der öffentlichen Meinung des Landes allzu frech in das Gesicht geschlagen. Man würde in der That sehr Unrecht thun, wenn man die politische Gesinnung der sächsischen Bevölkerung, nach den Herzensergießungen und Agitationen dieser Handvoll Leute beurtheilen wollte. Gesinnungsgenossen in ihrem wahnwitzigen Haß gegen Preußen und die liberale Partei finden dieselben höchstens noch in etlichen verbissenen Junkern, in den Jesuitenfreunden und in den Socialdemokraten—einer Genossenschaft, um die sie Niemand beneiden wird.
Koch einmal' die deutsche Kechtschreibnng.*)
In No. 9301 der Weserzeitung (Unterabtheilung) findet sich eine Kritik
des Werkes von Dr. Conr. Duden, „die deutsche Rechtschreibung", gegen
deren allgemeine Tendenz der Einsender dieses nichts einzuwenden hat, zu welcher er sich jedoch einige Bemerkungen zu machen erlaubt. Indem dort
") Nachstehenden Artikel erhielten wir noch vor Abdruck des Artikels von G. Wustmann in Heft 2g von einem bekannten deutschen Abgeordneten zugesendet. D. Red.