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Die Mormonen am großen Salzsee : 3. Zustände und Sitten in Neujerusalem.
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Die Mormonen am groszen Salzsee.

3, Zustände und Sitten in Neujerusalem.

Das neue Jerusalem der Mormonen, von den Profanen Saltlake-City oder die Salzsee-Stadt genannt, liegt nicht, wie man glauben könnte, unmit­telbar an dem großen Salzsee von Utah, sondern etwa 16 englische Meilen von demselben entfernt, am westlichen Abhang des Wahsatch-Gebirgs und über einem schönen klaren Strom, welcher der Abfluß des Utahsee's in den großen Salzsee ist und von den Mormonen den Namen des westlichen Jordan er­halten hat.

Wer die Schilderungen gewisser englischer Touristen liest, muß glauben, das Zion der Mormonen sei eine Prachtstadt, ein Weltwunder. In der Wirklichkeit ist es ein ziemlich elender Ort, der an Schönheit, Wohlstand und Gewerbfleiß von sehr vielen jüngeren Städten des fernen Westens übertroffen Wird, und der, um nur einige Beispiele für seine geringe Entwicklung zu dem anzuführen, was wir heutzutage unter einer Stadt verstehen, weder nächtliche Beleuchtung, noch ein einigermaßen genügendes System von Abflüssen und nur auf einer einzigen Straße Pflaster besitzt. Die prachtvolle Landschaft, in welcher der Ort liegt, die herrlichen, zum Theil mit ewigem Schnee gekrönten Berggipfel, welche in seiner Umgebung sich erheben, mögen die überdies aus der Wüste kommenden und durch den Contrast in ihrem Urtheil gestörten Reisenden verleitet haben, Würde und architektonischen Erfolg zu sehen, wo sie in Wahrheit ein recht mittelmäßiges Landstädtchen vor sich hatten.

Der Flächenraum, den die Stadt bedeckt, beträgt genau vier Quadrat­meilen, englisches Maß, und die Zahl der Einwohner wird 18000 nicht über­steigen. Dieses Mißverhältniß zwischen Ausdehnung und Seelenzahl der Stadt erklärt sich daraus, daß jedem Bürger bei der Anlage eine sehr große Baustelle zugetheilt wurde, daß in Folge dessen die einzelnen Häuser durch weite Zwischenräume getrennt sind, und daß die schnurgraden, sich in rechten Winkeln schneidenden und 130 Fuß breiten Straßen sich in kurzen Entfer­nungen folgen. Die Häuser sind meist aus Luftziegeln von bläulichem Thon gebaut, einstöckig und mit Schindeln gedeckt. Fast alle stehen in Gärten mit Dbstbäumen, Weinstöcken, Rosen und Sonnenblumen, 13 bis 20 Schritt von der Straßenfront des betreffenden Grundstücks entfernt. Am dichtesten stehen sie in der östlich von dem Quadrat, wo der Tempel hinkommen soll, sich hin­ziehenden Hauptstraße, auf der sich die Wohnungen von Uoung, Kimball und Wells, den obersten Häuptern der Mormonen, das Rathhaus, derSpeicher des Herrn," das Tabernakel und einige Kaufläden, Banken und Hotels be­finden. Das Haus, in welchem Uoung wohnt, ist zweistöckig und von rothem