654
stes tritt bei einzelnen Schülern mit zunehmenden Jahren ein Grad geistiger Stumpfheit ein, der denn doch die Frage nahe legt, ob hier nicht ein energisches „Halt" geboten erscheint. — Solche Zustände sind aber nur möglich, wo das Schulwesen, wie in Sachsen, der fachmännischen Leitung entbehrt, welche aus eigener Erfahrung überall das rechte Maß zu finden weiß. (Schluß folgt.)
Kerder's Linwirliung aus die deutsche Lyrik von
177V—1775.
Von E. Laas. (Schluß.)
Ursprüngliche Klopstock'sche Odenform nach dem Vorbild des Horaz findet sich bei Goethe nur einmal verwerthet in dem choriambischen Hymnus am Anfang des Mahomet:
Theilen kann ich auch nicht dieser Seele Gefühl, Fühlen kann ich auch nicht allen ganzes Gefühl, Wer, wer wendet dein Fleh'n s^n Ohr? Dem bittenden Auge den Blick? Hebe, liebendes Herz, dem Erschaffenden dich! Sei mein Herr du, mein Gvtt! Du alllicbender, du! Der die Sonne, den Moud und die Stern' Schuf, Erde und Himmel und Dich. Diese Horazianische Poesie hatte durch Herder den Todesstoß erhalten; man fühlt selbst bei Goethe den Zwang und die Unnatur; sie mußte all- mählig verbluten wie die Anakreontische Tändelei.
An die Stelle der letzteren trat auch bei Goethe seit Straßburg das volksthümliche Lied. Seit dem Umgang mit Herder lauschte er wie Bürger auf die Weisen des Volkslieds, und lernte ihm den empfindungsvollen, einfachen echt deutschen Ton ab.
Aber auch diese lyrische Form hat das tiefe, von selbsteigenem Leben quellende edle Dichtergemüth über das, was er vorfand und was ihn zuerst