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Springers Bilder aus der neuern Kunstgeschichte.
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Dies Zeugniß mag für den Ernst und Eifer sprechen, mit welchem wir dem letzten der vorliegenden Aufsätze Beherzigung wünschen. Indem Springer über Wege und Ziele der gegenwärtigen Kunst redet, giebt er die Summe von Einsicht und Urtheil, die der Leser schrittweis hat erwerben sehen, in den Kampf der Gegenwart. Und hier bewährt sich, daß der Gediegenheit erarbeiteten Wisscns und Verständnisses die Weisheit und Ruhe des practischen Urtheils entspricht. Wenn wir in diesem Ueberblick über Leistungen und Tendenzen unserer Tage, zu dem sich der Autor durch eingehende Würdigung Carstens', Thorwaldseus und Schinkels den überherrschenden Standpunkt gleiä'säm vor unseren Augen erbaut, manchen Namen ungern vermissen, so drückt sich darin nur der Wunsch aus, sein Wort über alle Anliegen unseres ästhetischen Gewissens zu vernehmen. Die Kunst sich selbst zurückzugeben, indem die Formenpoeste als einziger Inhalt ihrer verschiedenen Gatlungen anerkannt, ihr aber inniges Wechs'elvcrhaltnih zwischen technischem Material. Jdeenkreis und Formengerüste wieder zum Gesetz gemacht wird, das ist die Aufgabe, die Künstler und Laien gemeinsam zu lösen gemahnt und vorbereitet werden.

In ebenso schönem als seltenem Sinne gehört dieses neueste Geschenk, das wir Springer verdanken, zu den doppellebigen Erscheinungen der Literatur. Wir wüßten nicht, wo innerhalb des Kreises der Gebildeten die Fähigkeit auf­hören sollte, es zu lesen, ihm hingebend nachzusinnen, es zu genießen. Und andrerseits, der Gelehrte, der Forscher, der Künstler dürfen im Gefühl völlig gleichen Anrechts sich darum streiten, wem es zuerst zugedacht sei. Lebendige, anlockende Belehrung, streng methodische Arbeit, eindringliche Winke enthalten diese Essays in einer Fülle, welche wir bei einem solchen Verfasser nicht über­raschend nennen dürfen, die aber erst durch Grazie der Technik Unwiderstehlich­keit empfängt. Das letzte Geheimniß dieses hervorragenden Buchs ist der classische Geschmack in Auswahl der Stoffe, Vchandlungsform und Sprache. So kommt jeder Erfolg des Historikers in zwiefachem Sinne dem Aesihetiker zu statten. Um deswillen noch ganz besonders müssen wir sein Erscheinen als ein schönes Geschick der werdenden Wissenschaft moderner Kunstgeschichte verzeichnen.

_ M. I.

Briefe vom Reichstag.

Berlin, 1. October.

Der gutmüthige Besucher der Tribünen des Reichstags, ja selbst der Ha- Vitu6 der Journalistenbänke, der so zu sagen meint, das Gras wachsen zu hören, wird stets eiwas von der Unruhe mitbringen, die ein vor unseren Augen sich abspielender Kampf einflößt. Er wird meist überzeugt sein, daß hier in ö ffent­licher Sitzung sich die Parteien, Principien und Redner um den Sieg des Tages streiten, und daß kein Mensch im voraus sagen könne, wie die Schlacht sich entscheide. Solche Meinung, die überall gehört wird, beweist deutlich die jugend­liche Altersstufe unseres politischen und namentlich parlamentarischen Lebens. Darüber ist sich auch der Laie klar, daß eine Feldschlacht nicht gründlich dar­gestellt werden könne durch die dürre Aufzählung der widereinander geführten Heeresmafsen, ihrer Waffenthaten und Erfolge, sondern daß der Plan der Führer, ihre größere oder geringere Herrschaft über den blinden Zufall das Schlachtenglück bedinge. Aber in der Politik und in der Tactik der Parteien sind wir leider noch gewöhnt, in der weitaus größten Zahl unserer Mitbürger tine unentschiedene, färblose und weit schwieriger als der blinde Zufall zu be­herrschende Masse zu sehen, die bei jedem volit. Plan vor Allem berechnet sein will.