Beitrag 
Die Mißvergnügten in Hannover.
Seite
357
Einzelbild herunterladen
 

357

immer wieder mit Entstellung der thatsächlichen Verhältnisse auf angebliche Bedrückung und Ueberlastung'der Provinz hinweisen und so im Stillen schlei­chend eine Mißstimmung in der Bevölkerung hervorrufen, die niemandem nützt Wohl aber das Gemeinwohl, wie das der Provinz zu schädigen vermag, das ist ein Unrecht, dem entschieden zu begegnen jeder, der das Vaterland im warmen Herzen trägt, so berechtigt, wie verpflichtet ist.

Möge'jetzt, wo die Regierung auch ihrerseits beginnt, den Wünschen der Bevölkerung mehr Rechnung zu tragen, das Fortschreiten auf diesem Wege ihr nicht erschwert werden durch eine ihren ganzen Bestand anfechtende principielle Opposition, die nur undeutschen Zwecken in die Hände arbeitet, und mögen bald die letzten mit der Annexion Hannovers an sich Unzufriedenen zu besserer Einsicht und besserem deutschen Patriotismus sich bekehren! Huoä veus böne vertat!

Neue Bücher und Kartenwerke.

Briefe ohne Adresse von Arthur Görgey. (Leipzig bei F. A. Brockhaus) 48 S. in gr. 8°.

Es ist eine Ehrenpflicht der deutschen Presse, jede sich darbietende Gelegenheit zur Bekämpfung des Wahns zu benutzen, der jahrelang den Capitulator von Vi- lagos zum Verräther seines Vaterlandes stempelte und die Verantwortlichkeit für die Greuel, welche Haynau an den besiegten ungarischen Patrioten beging, auf den Mann häufte, der das Unglück hatte, im August 1849 an der Spitze einer ver­lorenen Sache zu stehen. Allerdings haben die Schriften Rüstows (Geschichte des ungarischen Jnsurrcctionskricgcs; Zürich 1860) und Springers (Geschichte Oestreichs, Bd. II., Leipzig, bei S. Hirzel) bei aller Schärfe ihres Urtheils über Görgcys per­sönlichen Charakter, in wirksamster Weise die Anklagen widerlegt, durch welche ein Theil der ungarischen Emigration sich auf Unkosten ihres ehemaligen Führers von allen Vorwürfen unbedachten Handelns zu befreien glaubte immerhin blieb für Görgey noch viel zuthun übrig, um sich von aller Schuld zu reinigen und insbesondere nachzuweisen, daß die Ucbergabe an die Russen (nicht die Ocstrcichcr) eine gewisse patri­otische Berechtigung hatte. Die vorliegenden Blätter, welche im Uebrigen für einen Nach­trag zu dem bekannten McmoircnwerkcMein Leben und Wirken" (bei F. A. Brock­haus) gelten können, bieten durch den Nachweis, daß Görgey im vollständigen Ein­verständnis; mit Kossuth handelte und daß die Vernichtung des Corps von Nagy- Sandvr einzig diesem selbst zur Last zu legen ist, ein besonderes Interesse. Ihre Verbreitung ist darum im Interesse unbefangener Geschichtsforschung ebenso zu wünschen, wie in dem einer gerechten Beurtheilung des Mannes, der die Schroff­heiten seines Charakters hart genug gebüßt hat, während seine Verdienste um die Sache Ungarns ohne Anerkennung geblieben sind.

Der deutsche Zollverein. Ein Handbuch für Zoll- und Stcuerbecmrte, Kauf­leute und Gewcrbtreibcndc, von Wilh. Ditmar. Zweite Auflage. Bd. I. (Leipzig bei F. A. Brockhaus). 236 S. in gr. 8°.

Der Titel dieses bereits bei seinem ersten Erscheinen mit Anerkennung aufge­nommenen Werks genügt, um der neuen Auflage desselben eine Verbreitung zu sichern, wie sie dem Werth desselben entspricht. Der vorliegende erste Band um­faßt Geschichte und Organisation des Zollvereins von seiner Entstehung bis zur Gegenwart und zerfällt in fünf Theile, deren erster die Geschichte der Verträge iwischcn den Vereinsstaaten und mit auswärtigen Möchten unter ge-