340
Ob einer der in solchen Sammlungen bewahrten Briefe echt sei, muß der Forscher untersuchen, der ihn benutzen will — zur Unterhaltung und zur Einführung in das Leben und Treiben der Zeit sind die erdichteten Briefe oft ebenso geeignet als die echten.
G. Kaufmann.
Die russischen Altgläubigen und der orientalische Krieg.
(Vrgl. Nr. 33 der Grcnzbotm „Die russische Emigration in Oestreich und der Türkei" und Nr. 34- „Der erste Erzbischof von Bjeloknnitz".)
In den Jahren, welche dem orientalischen Kriege vorhergingen, waren die in der Bukowina lebenden Altgläubigen der hierarchischen Observanz eifrig bemüht gewesen, die Reorganisation ihres Klerus zu vervollständigen und demselben eine streng hierarchische Einheit zu geben. Trotzdem das? die östreichische Regierung zur Vorbeugung künstiger Conflicte mit Rußland die Begründung eines altgläubigen Mctro- politansitzes zu Bjelokrinitz nur unter der Bedingung gestattet hatte, daß alle Beziehungen zu den in Nußland und der Türkei lebenden Sectirern abgebrochen, russischen Flüchtlingen in Zukunft keine Zufluchtsstätte in der Bukowina geöffnet würde, machte Bjelokrinitz mehr und mebr Miene, zum Rom der altgläubigen Welt des Ostens zu werden. In Moskau und Tula wie in den nördlichen Provinzen der Türkei lebten altgläubige Bischöfe und Erzbischöfe. die von Kyrill, dem zum Nachfolger des Ambrosius gewählten zweiten Metropoliten, geweiht worden waren und diesen, wenigstens insgeheim, als ihr Oberhaupt ansahen; selbstverständlich erkannte die russische Regierung diese scctirerischen Prälaten, die dem Staate gegenüber für gewöhnliche Kaufleute oder Industrielle galten, auch von ihren kirchlichen verschiedene weltliche Namen führten, nicht an. Aber grade darum genossen sie bei ihren Glaubensgenossen bohes Ansehen und weitgreifenden Einfluß. Anders war es in der Türkei, wo diese Geistlichen, Dank dem Einfluß Czaykowskis (Sadik-Paschas) offen begünstigt wurden und nur mit dem Mißtrauen der Gläubigen, namentlich der Nekrassowkosakcn zu kämpfen hatten. Nach Ansicht der russischen Sectircr ist nämlich die Führung von Kirchenbüchern eine Todsünde (die Altgläubigen stützen sich auf jene Erzählung des Alten Testaments, nach welcher David vom