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Ueber Briefsteller im Mittelalter.
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Ueber Briefsteller im Mittelalter.

(Mit besonderer Rücksicht aus das baumgartenberger Formelbuch. Herausgegeben von Herrmann Baerwald. Wien, 1866. Bildet den 25. Band der von der historischen Commission der kaiserl. Akademie der Wissenschaften herausgegebenenOestreichischen Geschichtsquellen", Contos Rorum ^ustriaLarum.)

Honos alit art<zg der Kunst, die ihre Jünger ehrt und nährt, strömt die Menge der regen und gewandten Geister zu, welche nicht durch eine groß­artige Einseitigkeit ihrer Anlagen auf ein bestimmtes Feld angewiesen sind; sie wird also vor den andern schnell zu einer gewissen Blüthe und Vollendung ge­langen. Im Mittelalter aber gewährte wohl keine Kunst reichern Gewinn als die ars Ätetanäi, die Kunst Urkunden und Briefe zu schreiben.

Natürlich, denn die verwickelten Verhältnisse der sich in immer kleinere Theile zersetzenden Lehnsmonarchie und die mannigfachen Beziehungen der Staa­ten unter einander selbst Papst und Sultan wechselten Briefe erforderten eine große Menge Urkunden und Briefe über oft sehr schwierige Angelegenheiten, während doch nur weniges zu schreiben verstanden. Nicht als ob es jenen Jahrhun­derten an geistiger Begabung gefehlt hätte, jaber der Geist des Menschen muß vuf einem Gebiete erst heimisch werden, ehe er seine Kräfte auf demselben an. wenden kann, er muß sie hier erst gebrauchen lernen. Beneiden dürfte unser gebildetes" Geschlecht jene Männer um die geistige Gewandtheit und sittliche Stärke, mit der sie oft unter den verwickeltsten Verhältnissen den Blick klar und das Herz frei behalten aber ihren Gedanken schriftlichen Ausdruck zu leihen, das einzelne Wort sorgfältig zu wählen und niederzuschreiben, während der Geist doch auch den Gedanken im Ganzen festhält und fortbildet das war ihnen fremd. Ihre Hand mußte am Schwert ruhen, in Wind und Wetter mußten sie den tausend Pflichten genügen, die ihrer warteten.

Wenn wir Italien ausnchmen, wo sich Nachfolger der alten römischen Grammatiker erhielten, so genossen nur die Geistlichen und vorzugsweise die Mönche eine Schulung des Geistes, die sie zum schriftlichen Ausdruck geschickt machte. Jeder Fürst hatte deshalb seinenPfaffen", der ihn sogar auf Reisen begleitete, und wer sonst darum benöthigt war, wandte sich an einen der schreib- fertigen Kleriker, (die also zugleich die Stelle unserer Notare ausfüllten) und jener Briefschreiber, die in Italien noch heute für die zahlreiche des Schreibens unkundige Menge Liebes- und andere Briefe aufsetzen.

Die ars Äiotauäi war das sicherste Mittel dem jungen Geistlichen, mochte er auch aus niederem Stande sein, eine einflußreiche Stellung im Rathe der