Beitrag 
Die Geschichte Englands von R. Pauli (1830-41).
Seite
315
Einzelbild herunterladen
 

315

barere und complicirtere gewesen als z. B. die der Bearbeiter der Geschichte Italiens, Oestreichs oder dcr Türkei, da es sich in der neueren englischen Ge- schichte eigentlich gar nicht um „Ereignisse", sondern fast ausschließlich um einzelne Resultate eines mübsam vorrückenden inneren Processes handelt, die sich nicht klar überseben, nicht endgiltig beurtheilen lassen, weil er noch bei keinem entscheidenden Punkt angelangt ist. Das Detail dieser Entwickelung ist häusig trocken und unverdaulich und doch kann es nicht Übergängen werden seit Gncists berühmtes Werk über die Verfassung und Verwaltung Englands die Ansprüche der deutschen Lcsewelt an jedes Buch über die Zustände des Inselstaats erhöht, das deutsche Interesse auf zahlreiche Gebiete britischen Lebens gerichtet hat, Von denen uns bisher jede genauere Kunde gefehlt hatte. Bei der ungeheuren Bedeutung endlich, welcbe England für die Geschichte des Par< lamentarismris hat, ist jede Beurtheilung der neueren Entwickelung dieses Staats zugleich ein Urtheil über das gestimmte parlamentarische System und als solches einer schärferen und aufmerksameren Contrvle ausgesetzt, als alles, was über einen andern europäischen Staat — vielleicht Preußen allein aus­genommen, gesagt werden könnte. Von diesem Gesichtspunkt aus verdient der vorliegende zweite Band des paulischen Buchs die Aufmerksamkeit der Lese­welt in ganz besonderem Maß. denn grade diesem Schwerpunkt seiner Aufgabe ist er, wie uns scheint, gerecht geworden.

Die stuttgarter Versammlung am 3. und 4. August.

Aus Schwaben, 10. August.

Als im Herbst vorigen Jahres die Friedensverträge abgeschlossen waren, deren Wortlaut den Süden vom Norden trennte, lag es nahe, daß die Männer der nationalen Partei in den vier süddeutschen Staaten zusammentraten, um sich über die Aufgaben zu verständigen, die ihnen durch die neue Lage gestellt waren. Am 14. Oct. v. I. fand zu diesem Zweck in Stuttgart eine Versammlung von Abgeordneten aus Bayern. Württemberg, Baden und' Hessen statt. Die Sache wurde damals sebr vertraulich behandelt, man vermied alles, was wie die Or- ganisimng eincr süddeutschen nationalen Partei aussah, selbst das Resultat der Besprechungen wurde nicht der Oesfentlichlcit anvertraut. Man hatte nämlich Ursache in jenem Stadium alles zu vermeiden, was entfernt wie die Einleitung zu einem Südbund aussah, und unter diesem Gesichtspunkt erschien beinabe selbst ein Bund zur Verhinderung des Bundes nicht unbedenklich, wie ja noch

40"