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Die englische Auslegung des londoner Vertrages vom 11. Mai d. J.
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In schlimmster Weist zugleich ist durch diesen Vorgang Vertrauen und Moral im internationalen Verkehr angetastet und untergraben worden. Es ist der erste Fall der Geschichte, daß ein von allen Mächten Europ.is gestern geschlossener Ver­trag heute schon in dvlofestcr Weise für unverbindlich erklärt wird. Und die berufenen Anwälte der öffentlichen Moral schweigen dazu. Wie Uhland in seinem Liede zum 18. October möchte man Umfrage halten anFürstenräth und Hof. marschälle", an Fürsten und Völker, vor allem an sämmtliche Garanten des Vertrages vom 11. Mai, ob sie diese Lossaaung Englands von Treu und Glauben ruhig hinzunehmen entschlossen sind. Doch sie schweigen in der Runde.

Eins ist' jedenfalls festgestellt durch diesen Vorgang und das Schweigen der 'Garanten:Auch der deutsche Staat ist in Hinsicht Luxemburgs völlig Herr seines Willens." Er wird, wenn irgendeine Macht in Europa, die über­nommenen Verbindlichkeiten halten aber da deren Bruch und Nichtachtung Seiten seiner Mitcontrcihenten schon jetzt offen gepredigt wird, wird er aufs kräftigste mit der Neutralität Luxemburgs zugleich die eigene Ehre zu wahren wissen.

Die Czechen und der Panslawismus.

X Leipzig, Mitte Juli.

Wenn man fortfährt deutsch mit uns zu reden, werden wir russisch ant­worten." Diese neulich von den prager Narodny Lisly gebrauchte PhrasMat die Runde durch östreichische und deutsche Zeitungen gemacht und nicht verfehlt, als Nachklang der moskauer Slawenversammlung unter den Freunden Oestreichs und Feinden Rußlands eine gewisse Sensation hervorzurufen. Ist man mit der Slawen- und Nussenfurcht trotz gegenlheiliger officieller und officiöser Kund­gebungen doch in Wien bereits dahin gekommen, in den freundlichen Worten, welche die Norddeutsche Allg. Zeitung den moskauer Festgcnossen gegönnt hat, eine Unterstützung der slawischen Ansprüche auf die Hegemonie in dem außer- ungarischcn Oestreich und eine Unterstützung der Feinde des deutschen Elements im Kaiserstaat zu sehen. Nach den Gründen, welche das off/ciöse berliner Or­gan dazu bestimmt haben, jenemCvngreß" ein freundliches Gesicht zu zeigen, brauchen wir hier nicht zu fragen: es dürfte aber nicht überflüssig sein, jene großsprecherischen Worte des czechischen Moniteurs näher zu beleuchten und nach Grund oder Ungrund der Befürchtungen zu fragen, welche sich an die moskauer Reise der Herren Palazfy, Nieger, Braun und Genossen geknüpft haben.

Die freundschaftlichen Beziehungen der russischen Demotratie zu dem Czechen- thum datiren um einige Jahre zurück. Auf den Besuch, den der Socialist Bakunin dem in der böhmischen Hauptstadt Anno 1848 versammelten ersten Slawencongreß machte, ist allerdings nicht zu recurriren, denn dieser wilde Re­volutionär,'dessen Erscheinen von den czechischen Führern damals höchst ungern gesehen wurde, ist in Rußland seit der letzten polnischen Katastrophe ebenso un­populär, wie sein Freund und Genosse, der einst allmächtige Herzen. In Wahr­heit datiren die regeren Beziehungen zwischen beiden Stämmen erst aus dem vorigen Jahrhzehnt. Als das sei der Thronbesteigung Alexanders des Zweiten erwachte russische Nationalgefühl an den halbvergessenen panslawistischen Gedanken wieder näher herantrat und zu diesem Behuf unter seinen über das außerrussische Europa versprengten Stammesbrüdern Musterung hielt, blieb sein Blick sogleich mit Vorliebe an den Czechen hasten, die allein unter den östrei- chischen Slawen eine Art von Cultur repräsentirten, die einzigenBrüder" waren, mit deren Verwandtschaft sich Ehre einlegen ließ. Berichte über czechische