Beitrag 
Das preußische Verfassungsleben unter dem Einfluß des norddeutschen.
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

21

deutsche an'einem politischen Haltepunkte angekommen und für das nächste halbe Menschenalter ist ein neues Programm nicht nöthig. Nicht blos weil keine Verfassung so inhaltsleer ist, daß es anders sein könnte, sondern vor allem auch weil nicht durch den Kampf gegen die Mängel des neuen Gesetzes, sondern nur durch seinen Ausbau erreicht werden kann, was einstweilen das Wichtigste für Preußen und für Deutschland und die Voraussetzung für die Vollendung des begonnenen Werkes ist: daß durch eiue der Versassung und dem Bedürfniß Preußens angemessene innere Politik das alte Verhältniß zwischen Krone und Volk dauernd wiederhergestellt werde.

Dazu, haben wir früher gesagt, ist die Negierungsfähigteit der liberalen Parteien erforderlich. Heißt das nicht zu viel von der neuen Ordnung erwarten? Die HH. zur Lippe, von Mühler u. f. w. sind ja, nach der Versicherung des Kleinstaatlers, für die Preußen jetzt ganz unbesiegbar geworden, wenn sie nicht die Kleinstaatler zu Hilfe rufen. Wir meinen, daß auf dem neuen Weg selbst in dieser kurzen Zeit schon etwas ganz Aehnliches und gleich Schwieriges, die Hälfte des überhaupt zu Erstrebenden, geleistet worden ist. Die feudale Partei hat zwar seit der Revolution fast ununterbrochen am Steuer gestanden, aber für das preußische Volt ist sie eine dem Verfassungsstaat auferlegte und aufge­drängte, nicht in ihm heimische und ansässige gewesen. Erst die Thätigkeit der Partei für Deutschland hat das geändert und jedermann die Bedeutung des conservativen Elements auch für das constitutionelle Preußen klar gemacht. Um­gekehrt sind die liberalen Parteien für das Nächstliegende, den Ausbau der Ver­sassung, eigentlich berufen gewesen und haben doch ihre billigsten Ansprüche mcht durchzusetzen vermocht. Wir tonnen nicht hoffen auf dem neuen Weg un­ser Ziel mit gleich raschem Anlauf zu erreichen, aber wir sind nicht weniger ge­wiß, die liberalen Elemente des Staats auf demselben zu der seither vergebens erstrebten Geltung und Anerkennung zu bringen.

Rosens Geschichte der Türkei.

Staatengcschichte der neuesten Zeit Bd. XI. u. XII. Leipzig bei S. Hirzcl.

Seit Preußen und Deutschland in den Kreis der Mächte getreten sind, welche bn jedem politischen Problem ein entscheidendes Wort mitzureden haben, ist die orientalische Frage bestimmt, auch in unserer Geschichte eine große Rolle zn spielen, hat die Kunde von der Entwickelungweit hinten in der Türkei" für die Deutschen eine eminente praktische Bedeutung erlangt. Die Rücksicht auf ihre bevorstehende Lösung übt auf die deutsche Politik unserer Nachbarn einen Einfluß aus, der ununterbrochen im Zunehmen begriffen ist. Die Frage,