Die französische Armee im Jahre 1867.
Unter diesem Titel hat der französische General Trochu ein Buch herausgegeben, welches in wenigen Tagen bereits fünf Auflagen erlebte, und welches über die französische Armee im Allgemeinen das Urtheil fällt, daß sie seit der Regierung des jetzigen Kaisers an Werth und Zahl bedeutend zurückgegangen sei. Da grade jetzt die Frage nach dem Gehalt der französischen Streitkräfte ganz Deutschland interessirt und der genannte General ein in seinem Urtheil selbst vom Kaiser Napoleon anerkannter Mcmn ist, wie seine Berufung zur Armeereorganisationscommission beweist, so verdient das Werk auch in diesem Blatte eine nähere Besprechung.
Das Buch spricht sein Princip aus, indem es sich dem Marschall Bugeaud mit einem Hinweis darauf widmet, daß er der letzte Heerführer gewesen, weicher das Princip der Ordnung allen seinen Forderungen und Handlungen in der Armeeleitung zu Grunde gelegt habe. Die rein militärischen o.der vielmehr takiischen Capitel verurthcilen dann von diesem Standpunkte qus die heutige Gefcchtsweise der Franzosen, ihre militärische Ausbildung und vor allen Dingen die Disciplin der Truppen. — Wenn man nun auch vom preußischen Standpunkte aus diesen Ansichten vollständig beistimmen möchte, und wenn selbst ein Blick in die französischen Truppen, ihr Leben und Treiben genau zu demselben Urtheil führt, so wollen wir doch in Rücksicht auf die kriegerischen Thaten der französischen Armee und auf den überall von ihr erworbenen Ruhm uns nicht verleiten lassen, die militärische Tüchtigkeit der französischen Armee gerlng zu schätzen. — Der ungeheure Trieb jedes einzelnen französischen Soldaten, sich Persönlich geltend zu machen, ist es grade, der die innere Ordnung auflöst, der die Heere aber auch zu den glänzendsten Heldenthaten führt. Das unablässig vorwärts drängende Gefühl jedes Einzelnen hat eben das Ganze bis jcht Grmzboten II. 1867. 26