So habe ich also meine Vertheidigung des Werks von Bernays^ für welches ich das Interesse der Leser an der nöthigen und wichtigen Herstellung des Goethetextes in Anspruch nehme, hier in derselben Form vorgelegt, wie sie für die Augsb. Allgem. Ztg. bestimmt war; sie kommt jetzt zwar etwas verspätet durch Schuld derRed. d.A.A. Z.. aber dafür unbeeinflußt von ihrer Literaturgesetzgebung. D. O.
Kleine Chronik vom Reichstage.
6.
Berlin, den 7. April.
In der ersten Woche, welche seit der Wiederwahl des Bureaus am 30. März verflossen ist, hat der Reichstag eine ganz außerordentliche Thätigkeit entfaltet. Mit anfangs kaum zu ahnender Schnelligkeit, ja mit einer Hast, welche den früher an ihn gerichteten wiederholten Mahnungen zur Beschleunigung seiner Arbeiten im vollsten Maß Folge giebt, hat er in wenig Tagen eine lange Reihe von Verfassungsparagraphen und Artikeln erledigt, so daß es möglich zu werden scheint, wirklich noch vor dem Osterfest die ganze Aufgabe dieser Vorberathung des gestimmten Regierungsentwurfs zu absoivircn. Arbeitskraft und Ausdauer der Mitglieder wird dabei freilich aufs äußerste angespannt. Eine kaum auf einen Tag ausgesetzte, ununterbrochene Aufeinanderfolge von täglich S—7 stündigen Plenarsitzungen, wie sie diese Woche gebracht hat, ist in unsrer parlamentarischen Geschichte bisher wohl noch ohne Beispiel gewesen.
Und letzteres gilt auch mit vollem Recht in Bezug auf den Inhalt, die Wichtigkeit und Bedeutung der Gegenstände und der Verhandlungen über dieselben, welche während dieser Sitzungen die Versammlung beschäftigten. Denn die Debatten und Entscheidungen der letzten Tage betrafen die Cardinalpunkte des neu zu gründenden Werks, jene Festsetzungen, durch welche der Entwurf die militärische Einheit und die rn der Hand des Bundesfeldherrn zu vereinigende Kriegsmacht des norddeutschen Bundes ins Leben rufen und ihre Formen, ihren Bestand, die Mittel für dessen Erhaltung für alle Zeit zu nvrmiren und zu sichern bezweckt. Mit solcher gesteigerten Wichtigkeit des Inhalts ist auch