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Aus Prag.
Ende März 1867.
Dem letzten böhmischen Landtage war schon in dem Augenblicke, als er zusammentrat, das Urtheil seiner Auflösung gesprochen. Bei der rapiden Schnelligkeit, mit welcher die Metamorphose des belcrcdischen slawischen in das beustsche „deutsche" Regierungssystcm vorgenommen wurde, trat das eigenthümliche Schauspiel zu Tage, daß die Landtagsmajorität. welche die Regierung durch die lebhafteste Agitation zu Staude gebracht halte, nun gegen die Regierung war und diese daher durch ihre eigenen Werkzeuge bekämpft werden sollte. Ein solches Mißvcrhältniß zu dulden, war unmöglich, und die Aufforderung an den Landtag, Wahlen in den verfassungsmäßigen Reichsrath vorzunehmen, mußte den Widerspruch der Situation zum Eclat bringen.
Interessant waren die Debatten, welche durch die Regierungsvorlage hervorgerufen wurden. Die hervorragendsten Redner aller Parteien traten zum Kampf in die parlamentarische Arena mit einem Pathos ein, das um so seltsamer wirkte, als der Ausgang Allen von vornherein ganz genau bekannt war. Die Czechen und Feudalen waren vollkommen einig, die Neichsrathswahlen nicht vorzunehmen, und so war die Ablehnung der Regierungsvorlage, welche nur die Deutschen vertheidigten, gesichert; allein es handelte sich den Czechen darum, vor aller Welt ihre Ansichten darzuthun; verkündeten doch die czechi- schen Organe täglich dem Bolle, „ganz Europa" horche auf die Verhandlungen im böhmischen Landtagssaale,. Und um das loyale Gewand, mit dem die Herren von der na>ivnal-feudalcn Eoalition zu prunken lieben, nicht mit einem Male ganz abzustreifen, beantragten sie eine „allerunterthänigste Adresse an den Kaiser und König", worin sie erklärten, nur dann in den Reichsrath zu wählen, wenn ibnen die Gewähr geboten würde, daß dieser nichts beschließen kann, „was die überkommene staatsrechtliche Stellung Böhmens und seine Beziehungen zum Throne und zum Reiche ändern würde".
Dieser gewundenen Adresse voll bombastischer Phrasen gegenüber beantragte die deutsche Minorität der Abgeordneten, die Wahlen in den Reichsrath vorzunehmen und erklärte, „sie könne die Rückkehr in die verfassungsmäßigen Bahnen, die Aufhebung der Verfassungssistirung. die Beseitigung des außerordentlichen und die Einberufung des verfassungsmäßigen Neichsrathcs nur freudig begrüßen".
Nieger hatte sich zur Aufgabe gestellt, die Staatsrechte Böhmens zu vertheidigen. Er legte das Verhältniß Böhmens zur östreichischen Dynastie als