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Vermischte Literatur.
G. Koch: Madonna dclla Sedia, gczcichnct nach Rafaels Original, pho- tographirt von I. Albert in München, I. C. Kricgersche Buchh.
Von dcn ersten zeitgenössischen Künstlern — Cornelius, Veit, Steinte, Preller, Genclli u. a, — nüt höchstem Lobe begrüßt, wird Kochs Zeichnung nunmehr in überaus gelungener Wiedergabe dem Publicum dargeboten. Es ist Pflicht, mit allem Nachdruck auf diese treffliche Leistung hinzuweisen, welche durch die schmeichelhafte Anerkennung der größten Meister unsrer Zeit uns dennoch nicht überschätzt scheint. Dem still-fleißigen, echt-künstlerisch bestrebten Manne ist es besser als vielen weit glänzenderen Talenten geglückt, dem kostbaren Kleinode seine Seele abzulauschen. Neine kindliche Hingabe, die in der productiven wie in der reproductivcn Kunstthätigkeit immer das Beste leistet, hat auch hier wieder die Krone erlangt. In der That giebt uns diese Nachbildung der Sedia zum ersten Male dcn Nafacl als Rafacl wieder. Hier ist die ganze Anmuth seiner Linienführnng, die schone Fülle der Formen, die unsägliche Liebenswürdigkeit des Eindrucks so weit erreicht, als es der Zeichnung überhaupt möglich sein wird. Die besten Stecher haben sich au dem Bilde versucht, aber ihre Leistungen sind doch alle in verschiedener Weise verschieden von dem, was aus dem Originale uns anleuchtet; alle bleiben bedeutend zurück hinter dem Gcsammteindrucke des Bildes, das jeder mit andern Augcu gesehen hat. So verdienstlich manche dieser Stiche nach mehr als einer Beziehung sind, einen guten Theil ihrer Schätzung danken sie bei uns wenigstens dein Umstände, daß unser Publicum in dcr Mehrzahl den Maßstab der dresdner.Copie anzulegen gewohnt ist, die, so unbestritten ihre Vorzüge sein mögen, doch nur als Uebcrsetzung in ein nicht unwesentlich anderes Idiom gelten kann. In Kochs Zeichnung dagegen haben wir das fiorcntinischc Bild in seiner ganzen wundervollen Sinnlichkeit und Lcbcuswärme. Hier ist so sehr das Wesentliche getroffen, daß selbst in das nüchterne Schwarz aus Weiß der Krcidetcchnik Etwas von dcm Zauber der Farbe ausgenommen scheint. Die breite Licht- und Schattcngcbung trügt dazu das ihrige bei und zeigt sich dcr Wiedergabe von Rafacls malerischer Intention aus dieser Periode trefflich entsprechend. Wie sehr Koch hierbei nach guter Ucberlcgung, nach feinstem Verständnisse gehandelt hat, zeigt sich, wenn man die Weise damit vergleicht, in welcher er z. B. die strengere Form- und Farbenmvdclliruug dcr srührafaclischen Bilder wiederzugeben wciß, wie wir dics au Zeichnungen nach Figurcu des Sposalizio wahrgenommen haben. Wie vorteilhaft sticht seine Behandlungsart von der bei aller Grazie doch ziemlich elegant geschmeidigen Zeichnung des bekannten Rocchi in Rom ab, dessen Photographirtc Kopien nach Luini. Leonardo, Tizian ze. gegenwärtig dcn italienischen Kunstmarkt zieren. Die Arbeiten unseres Landsmannes haben doch dcn eigentlichen künstlerischen Zug vor ihnen voraus. Sie werden ihm sicherlich mehr Mühe kosten als jenem die seinigen, wenngleich diese minutiöser ausgeführt sind, aber sie stehen darum auch der Seele der Originale näher. Wir srcucn uns der Kunde, daß Koch gegenwärtig mit dcr lithographischem Wiedergabe des großen Cyklus „aus dem Leben eines Wüstlings" von Genclli bctraut ist, und zweifeln keinen Augenblick daran, daß er der rechte Mann dazu ist, diese gewichtige Aufgabe schön zu lösen. — Seine Madonna dclla Sedia aber verdient ein Kleinod jedes deutschen Hauses zu werden, in dcm dcr Sinn für wahre Schönheit gepflegt wird. —
Von Hanfstängcls Unternchmen, „die vorzüglichsten Meisterwerke der Dresdener Gemäldegalerie in photographischen Nachbildungen" sind zwei neue Lieferungen erschienen : Tizians Zinsgroschen und Corrcggios Nacht. Beide sind im hohen Grade gelungen und lassen das Ganze (vrgl. No. ZV.) von Neuem angelegentlich empfehlen.
Acrcmlwvrtlicher Redacteur: Or. Moritz Busch. Verlag von F. L. Herbig. — Druck von C. E. Elbert in Leipzig.