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Das lauenburgische Annexionsgesuch.
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Das lanenlmrgische Annexionsgesuch.

Als wir in voriger Woche die erste Nachricht erhielten, Lauendma, habe sich entschlossen, um Aufnahme in die preußische Monarchie zu bitten, freuten nur uns dessen, wenn auch, wie billig, mit Maßen und ohne den Tag vor dem Abend zu loben. Es war ein kleiner Anfang, aber es war doch ein An­sang. Indeß bei näherer Betrachtung des betreffenden Beschlusses der Stände wollte uns bedünken, als ob man ficb in seiner Freude noch mehr zu mäßigen habe, und als wir uns dann die Natur und die letzte Vergangenheit des Völkchens vergegenwärtigten, für welches die achtzehn Herren in Natzcburg sprachen, blieb von dem anfänglichen Wohlgefallen ein noch geringerer Nest. Nicht Einverleibung warS, was die Nitter- und Landschaft des Herzogthums zu erbitten beschloß, sondern eine Art Anfügung an den preußischen Staats- korpcr mit Bewahrung einer weitgehenden Selbständigkeit und vor allem mit Beibehaltung der bisherigen Verfassung und der alten feudalen Gemüthlichkeit, die sie gewährte. Nicht Patriotismus war die Triebfeder, sondern Egoismus: man entging einer Verbindung, welche mit schweren Steuern drohte, man conservirte sich so möglicherweise Zustände, die in jener Verbindung sich kaum gehalten hätten. Im Uebrigen sah sich die Sache an, wie wenn ein langer Herr mit einem großen Regenschirm von einem kleinen ersucht wird, ihm an den Arm fassen und mit unterschlüpfen zu dürfen.

Unter die Politiker sind die Lcmcnburger nnt diesem Schritt nicht gegangen. Politik treiben, Weltgeschichte mitmachen wollen, siel ihnen bisher nicht im Traum ein, und wo von Außen einmal die Nöthigung dazu an sie herantrat, wiesen sie sie ab, verdrießlich über die Störung, wie Schlafende, die wegen einer Kleinigkeit geweckt werden. Im Allgemeinen als Stille im Lande zu bezeichnen, geberdeten sie sich, wo eine Ahnung von politischen Dingen ihnen ausging, als Fanatiker der Nuhe. Selten begab sichs, daß der Blick über Familie und Gemeinde hinausschweifte. Die Raupe im Krautlvpf kann nicht viel unschuldiger an den Dingen, die das deutsche Volk seit einem halben Jahr­hundert bewegen, nicht viel geruhiger, harmloser und apathischer dahin vcgetiren als dieses für gewisse Staatsmänner mustergiltige Geschlecht großer und kleiner Bauern. Man lebte, nahm ein Weib und starb. Man nährte sich, spielte Schafkopf oder nach Befinden Lhvmbre dazu und befleißigte sich daneben der Obliegenheiten eines getreuen Unterthans, gleichviel, ob Hinz oder Kunz das Scepter trug. Wenn Zweifel darüber obwalten, wo heutzutage der Normal-