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Vermischte Literatur.
Theorie und Praxis der Bibliothekswissenschaft; Grundlinien der Ar ch iv sw isscn sch a fr, von Johann Georg Scizingcr. Dresden, Louis Ehlcrmann 1863. gr. 8. XVI. und 350 Seiten.
Ein aus eifrigem Studium und vielseitigen Erfahrungen hervorgegangenes Werk, durch welches die Bibliothekswissenschaft erst ihre eigentliche Begründung erhält, indem darin der ganze Umfang aller zu ihrem Bereiche gehörigen Kenntnisse wie aller in den Kreis der bibliothekarischen Geschäftsführung cinschlagen- deu Themen und Regeln aufgenommen und in logischer Folge nach ihrem innern Zusammenhange bündig und faßlich dargestellt sind.
Namentlich ist auf den dritten Abschnitt der Einrichtungskunde aufmerksam zu machen, welcher einen der schwierigsten und streitigsten Punkte im Bibliothcksfache behandelt, und ein neues bibliographisches System aufstellt, mit dem ein ganz ausführlicher und genan präcisirter Plan vorliegt, nach welchem man größeren wie kleineren Büchermassen (für Bibliotheken, antiquarische Lager, Privatbücher- sammlungen) eine Eintheilung und Ordnung geben kann, die dem wissenschaftlichen Pnncipe wie dem praktischen Bedürfnisse gleichmäßig entspricht. Aus der Einleitung des Abschnittes ersieht man, wie dieses universelle System mehrfacher Modificationen fäbig ist, wornach es denn auch den verschiedenen Ansichten und Anforderungen sich culbcquemen läßt, so daß es Anspruch auf allgemeine Anwendbarkeit hat.
Eine gleichfalls neue und lichtvolle Bearbeitung hat die Ar ch i v s w i s se n- sch aft erfahren, welche hier in einem kurzen Umrisse sich darstellen ließ, weil in vielen Punkten auf die Ausführungen der Bibliothekswissenschaft hingewiesen werden konnte.
Kurze schleswig-h olstein sche Landcsgcschichte von Georg Waitz. Kiel, Ernst Homcmn. 1864. 196 Seiten.
Wie wir hören, hat das Buch ein populäres werden sollen. War dies wirklich die Absicht des Verfassers, so ist sie nicht erreicht worden. Waitz gehört, niemand wird das zu bcsirciten geneigt sein, zu unsern rcspcctabclsten Geschichtsforschern, aber schon das wird angefochten werden können, daß er in gleich hohem Maße Geschichtschreiber sei. Die Gabe künstlerisch schöner Darstellung, anschaulicher Schilderung, lebendiger Erzählung, der Sinn für malerisches Detail, Neigung und Geschick, die betreffenden Dinge, Zustände und Personen so zu charaktcrisiren, daß wir sie sehen und erleben, nicht blos von ihnen lesen — alle diese nach heutigen Anforderungen nothwendigen Eigenschaften des productiven Historikers mangeln ihm beinahe ganz. Sein Buch ist eine trockene Aneinanderreihung dessen, was sich seit den ältesten Zeiten bis zum Aussterben des dänischen Mannsstammes in den Herzogtümern begeben hat, eine vortreffliche Uebersicht über diese Begebenheiten für den Fachmann, aber sicher nicht für das große Publicum, das Volk, welches Fleisch und Blut, Leben und Farbe bei den Dingen verlangt, für die es sich interessiren soll.
Schwarzbuch über die dänische Mißregierung im Herzogthum Schleswig. Heft III und IV. Kiel. Schwerssche Buchhandlung. 1864.