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Von der polnischen Grenze.
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Von der polnischen Grenze.

September 1864.

Als Sie mich aufforderten. Ihnen noch einmal aus dem Lande der Sar- maten zu berichten, lagen die Arbeiten der Ernte und der neuen Aussaat vor mir, so daß ich schlechterdings nicht in der Lage war, Ihrem Wunsche nach­zukommen. Auch heute ist es nur sehr fraglich, ob ich ein detailirtes Bild der Dinge, die hier vorgehn, werde entwerfen können. Aber ich will wenigstens einen Rückblick geben. Haben doch die Grenzboten durch Herrn von Niego- lewski dringend Veranlassung erhalten, ein Wort in eigner Sache zu reden. Daß die grünen Blätter von dem Winde bewegt werden, welcher von dem Posen er Polizeipräsidium ausgeht, ist zwar eine allzukühne Porstellung, als daß sie auch nur bei Einem Ihrer Leser Glauben finden könnte; indeß gestatten Sie mir doch, ausdrücklich zu bemerken, daß Ihr Korrespondent und ich glaube, Sie werden dies auch von den früheren Berichterstattern sagen können weder Herrn von Bärensprung noch Herrn Post je gesehn hat. Von erstcrem, der seit einer langen Reihe von Jahren unter der Leitung von drei verschiedenen Obcrpräsidenten und vier Regierungspräsidenten als Chef der posener Polizei sungnt, steht so viel fest, daß er eines ungewöhnlichen Muthes und hartnäckigster Ausdauer bedarf, um die große Verantwortung zu tragen, die sein Amt ihm auferlegt. Denn es ist keine Kleinigkeit, den un­ausgesetzten schonungslosen offenen und verdeckten Angriffen seiner leidenschaft­lichen Gegner Stand zu halten, ihre Bewegungen zu beobachten nnd zu ver­eiteln, damit eine Landschaft, in welcher ein so reiches Capital deutscher Arbeit liegt, nicht durch mulhwilllge und zwecklose Agitation zerrüttet werde. Daß man bei solcher Lage einem übergroßen Eifer etwas zu Gute halte, wird keine übertriebene Forderung genannt werden. Ueber die Mittel, die er gebraucht hat und gebraucht haben soll, kann ich natürlich in meinem Haulande nicht richten. Nach meiner Meinung giebt es nur Eine Moral, welche für die Polizei dieselbe ist wie für den Richter oder den Pfarrhenn. Der Proceß wird Von neuem die alte Wahrheit predigen, daß der beste Standpunkt gegen seine Feinde der strenge RechtSbvdcn >st. Was die zum Theil abscheulichen Anklagen der Gegner des Herrn von Bärensprung betrifft, so ist eben im Proceß wenigstens eine der widrigsten durch das einstimmige Gutachten der Schreibverständigcn in ihr Nichts ausgelöst, und hinsichtlich anderer möchte man die Herren Polen­vertheidiger nicht darum zu beneiden haben, daß rücksichtslose persönliche An­griffe die Hauptmiitcl für ihre Clienten sind.

Grenzboten IV. 18V4. 5