518
Ans Wien.
Die Genugthuung über die im diesjährigen Feldzuge gegen die Dänen gewonnenen Gefechte hat die Gemüther so mancher östreichischen Militärs und superloyalen Unterthanen zu argen Ucbereiiungen und lächerlicher Ungebühr verleitet. Wir registrirten bisher eine Reihe beinahe kindisch zu nennender Kundgebungen einer Freude, die. in gehörigen Schranken gehalten, nach den Erfahrungen von 1839 recht wohl begreiflich wäre. Im Ganzen waren die bisherigen Ostentationen, trotz mancher boshafter Witzeleien und Seitenhiebe auf Deutschland, ziemlich harmloser Natur; zudem hatte man es nur mit Eintagsfliegen zu thun. Die von den Tribünen der Bänkelsänger in den Bierhäusern gehaltenen Reden und die lobhudelnden Artikel in den politischen Tagcsblättern wurden vergessen, sobald man das letzte Wort gehört oder gelesen hatte. Doch nun beginnt sich der noch fortdauernde Siegesrausch in anderer und zwar höchst widerwärtiger Art zu offenbaren. Es gibt, da die Ankunft des gegenwärtig in Jütland stehenden Armcecorps nicht so bald zu erwarten ist, weder dccorirte oder verwundete Soldaten zu empfangen, noch dänische Gefangene und Trophäen anzustaunen. — welche Schauspiele übrigens nur noch geringe Anziehungskraft ausüben dürften —, und so sieht man sich gemüßigt, der überschwänglichen Loyalität und Begeisterung auf andrem Wege Luft zu machen. Dies geschieht nun auf vermeintlich gleich wirksame Weise dadurch, daß man das Gebiet der Kriegsgeschichte betritt und angeblich die Verhältnisse und Absichten der verschiedenen an dem Kriege direct betheiligten oder interessirtcn Staaten kritisch beleuchtet, thatsächlich aber nur die ärgsten Verdächtigungen und Beleidigungen gegen Deutschland schleudert und alles, was in dieser Beziehung bisher geleistet wurde, in ein System zu bringen und mit neuen Zugaben zu bereichern sucht.
Das Geplänkel der Tagesblättter, zumal der im Dialekt und in der Auffassungsweise der Menge geschriebenen sogenannten „Volksblätter", kann füglich mit Stillschweigen übergangen werden; doch nunmehr tritt auch das schwerere Geschütz der östreichischen Literatur in den Kampf, freilich mit einer Wirkung, die mindestens ebenso problematisch ist, wie die der östreichischen Artillerie am sogenannten Königsberge vorm Dannewerk.
Schon sind einige Broschüren erschienen, welche sich mit der Darstellung der Gcsammtercignisse des letzten Feldzuges, oder richtiger mit der Verherrlichung der östreichischen Kriegsthaten befassen. In welcher Weise dieses geschieht, ist leicht zu errathen, und der in diesen Producten abgelagerte Geist