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Aus Mecklenburg-Schwerin.
Dcr Großherzog in Rostock.
Der Großherzog hatte der Stadt Rostock, auf erhaltene Einladung, die Zusicherung ertheilt, daß er mit seiner jungen Gemahlin am 25. Juli feierlichen Einzug in die Stadt halten und fünf Tage daselbst verweilen wolle.
Man hatte Ursache, auf die Haltung der rostocker Bevölkerung bei dieser Veranlassung mit einiger Spannung zu blicken. Bei aller schuldigen Rücksicht auf die hohen Gaste schien doch die Begrüßung derselben kaum auf die Grenzen eines bloßen Actes der Cvurtoisie sich beschränken zu können, sondern nothwendig zugleich eine politische Färbung annehmen und die Stimmung über das herrschende Regierungssystem zum Ausdruck bringen zu müssen. Rostock, die bedeutendste und unabhängigste Stadt des Landes, hatte die Pflicht, diese Gelegenheit nicht unbenutzt zu lassen, um ein unzweideutiges politisches Urtheil über jenes System abzugeben, welches dein Lande so schwere Wunden geschlagen und Mecklenburgs Namen in Deutschland zum Spotte gemacht hat. Diese Pflicht war um so deutlicher vvrgezeichnet, als jedes sonstige Mittel, sich politisch zu äußern, durch den auf der Presse lastenden Druck, durch das Verbot der Vereinigungen und Versammlungen zu politischen Zwecken, durch die systematische Niederhaltung jeder freien Regung, welche die im Lande seit 14 Jahren wieder herrschende Partei zu ihrer Aufrechthaltung bedarf, der mecklenburgischen Bevölkerung abgeschnitten ist. In der Aufforderung, dem Fürsten die Wahrheit nicht zu verhehlen, lag auch keineswegs die Zumuthung eines beleidigenden Verhaltens. Die wahre Anhänglichkeit und Treue wird sich vielmehr in männlicher Offenheit und Freimüthigkeit bewähren müssen, wenn der Fcstjubel nicht zu einer elenden Heuchelei herabsinken soll.
Daß es in Rostock an der Erkenntniß solcher Pflicht nicht ganz fehlte, ließ sich sowohl nach dem in der alten Hansestadt fortlebenden selbständigen Sinn wie nach dem Eindruck vermuthen, welchen notorisch das herrschende Negierungs- system in den Gemüthern hervorgerufen hatte. Im Jahre 1848 hatte die ro- stvcker Bürgerschaft an der Spitze der politischen Bewegung des Landes gestanden. Sie leistete noch im Jahre 1850 der hereinbrechenden Reaction tapferen und anhaltenden, wenn auch schließlich erfolglosen Widerstand. Auch noch in den letzten Jahren bildete Rostock den Hauptsitz der freiheitlichen Bestrebungen, sowohl auf kirchlichem wie auf politischem Gebiet. In der baumgartenschen