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Der neue König von Würtemberg.
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Der neue König von W

Aus Schwaben, Ende Juli.

Seit fünf Wochen leben wir in einer neuen Aera in einer neuen Aera mit den alten Personen. Bis jetzt ist dem Thronwechsel noch leine Veränderung in den höchsten Stellen gefolgt; Furcht und Hoffnung haben noch den weitesten Spielraum. König Karl regiert mit den Räthen des Königs Wilhelm, und somit ist vor der Hand alles beim Alten.

Die Erwartungen des Volks waren übrigens in erster Linie gar nicht auf politische Veränderungen gegangen. Das lebhafteste Interesse galt vielmehr der Persönlichkeit des neuen Monarchen. Es klingt sonderbar, aber der Kronprinz, der seine 41 Jahre meist in der Hauptstadt zugebracht hatte, war doch beinahe völlig unbekannt geblieben. Niemand wußte Zuverlässiges über seine Befähigung, über seine Neigungen, über die Erwartungen, zu denen er berechtigte, an­zugeben. Von denjenigen, die in einige Berührung mit ihm gekommen Ware», hörte man widersprechende Urtheile. So viel ist gewiß, daß der Kronprinz nirgends weder einen bedeutenden, noch einen besonders gewinnenden Eindruck gemacht hatte. Man glaubte Mangel an Sicherheit, an Geistesgegenwart an ihm zu bemerken, er schien schüchtern und eher ein Freund der Zurückgezvgen- hcit als öffentlichen Auftretens. Noch in Kissingen, wo er zur Zeit des Todes seines Vaters eben verweilte, contrastirte das fast scheue Wesen des Kronprinzen von Würtenrberg lebhaft mit dem jugendlich unbefangenen, ungezwungenen Be­nehmen des jungen Königs von Bayern. Dies war nun freilich zum Theil Fami- lieneigenschast oder Tradition des würtembcrgischcn Hauses. Eigentliche Populari­tät war an unsrem Hofe nie zu Hause. Der verstorbene König besaß zwar Wclt- klugheit und Welterfahrenheit genug, um überall seine Stelle auszufüllen, er hatte etwas Schlichtes, Bürgerliches, das ihn, wo er wollte, mit jedermann leicht verkehren ließ. Allein jenen herzlichen Ton zwischen Fürst und Volk, wie er den Fremden z. B. in München so angenehm berührte, suchte man doch hier vergebens. Die Etikette wurde hier strenger gehandhabt als an manchem größeren Hof, fv daß dies selbst den russischen Verwandten aufzufallen pflegte. Und eher mochte es auswärts. Fremden geaenüber, vorkommen, daß König Wilhelm auf Augenblicke die fürstliche Stellung vergaß, als gegenüber den eigenen Unterthanen. Diese waren also nicht eben verwvhwt, wemr es dem Kronprinzen an der Gabe der Popularität gebrach. Allein es kam noch ein Anderes hinzu, was jene Richtung, wenn sie dem Kronprinzen angeboren war, noch steigern mußte. König Wilhelm wahrte streng seine königliche Prärogative