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Der norddeutsche Kanal.
Einer der ersten Gedanken, die Preußen verfolgte, nachdem es für das deutsche Interesse in den Ländern zwischen Elbe und Königsau das Schwert gezogen, eine der verheißungsreichstcn Unternehmungen, die es dort ins Auge faßte und bereits durch Voruntersuchung in Angriff nahm, ist die Anlage eines für große Schiffe brauchbaren und daher auch Seekriegszwecken zu dienen geeigneten Kanals, der, quer über die cimbrischc Halbinsel geführt, die Nordsee mit einer der Buchten an der östlichen Küste Schleswig-Holsteins und so mit dem ganzen weiten baltischen Wasserbecken verbinden würde.
Wie außerordentlich wichtig eine solche Anlage für die Entwicklung Deutschlands zu einer Seemacht ist, untersuchen wir für jetzt nicht ausführlich. Es reicht vor der Hand hin, darauf hinzuweisen, daß der Kanal, wie ein Blick auf die Karte schon dem Laien zeigt, in gehöriger Breite angelegt und an seinen beiden Endpunkten befestigt, ein sicherer Kriegsbafen von bester Lage und eine unvergleichliche doppelte Ausfallspforte für die künftige deutsche Flotte werden müßte, und dies, ohne der Nation auch nur den vierten Theil der Geldopfer aufzuerlegen, welche allein Cherbourg von den Franzosen gefordert hat.
Auch über den etwaigen Lauf dieser neuen deutschen Wasserstraße zu sprechen und Erörterungen anzustellen, ob und warum die eine oder die andere der vorgeschlagenen Richtungen, eine südlichere oder eine nördlichere, den Vorzug verdient, müssen wir, da diese Fragen von Fachmännern für Fachmänner zu behandeln sind und überdies das nöthige Material noch nicht gesammelt ist, hier unterlassen. Es genüge, in dieser Beziehung zu bemerken, daß man nach den von preußischen Technikern angestellten Terrainbesichtigunge» wahrscheinlich nicht die Linie Hoyer-Flensburg, noch weniger die zwischen Husum, Schleswig und Eckernfördc und ebensowenig die von Sturz in einer soeben erschienenen Flugschrift*) empfohlene, die vom Ausfluß der Stör durch Südholstein nach dem hamelsdvrser See und der lüvischeu Bucht geht, wählen, sondern t»e Linie von der Elbmündung nach der eckcrnförder Bucht vorziehen wird. Gründe dafür anzugeben, wird sich künftig Gelegenheit bieten.
Dagegen ist schon jetzt Zeit, auf die hohe Bedeutung aufmerksam zu machen,
-) Der Nord- und Ostsee-Kanal durch Holstein. Deutschlands Doppelpforte zu seinen Meeren und zum Weltmeere. Mit einem Vorschlag zu einer- neuen Befcstigungswcise der deutschen Strommündungcn und Küsten. Von Z. I. Sturz. Berlin. Verlag von Mitscher und'Röstell. 1864.
Grenzboten II. 18K4. 63