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cm Cavallene nothwendige Maß zu vermehren, erscheint gerechtfertigt und nothwendig.
Dieses Maß der Reduction bei der preußischen Armee zu bestimmen, soll uns die Vergangenheit helfen. Aus den Erfahrungen der großen napolconschcn Kriege gingen Grundsätze hervor, nach welche» die preußische Armee 1815 sormirt wurde. Damals erhielt ein Armcecvrps acht Kavallerieregimenter und zwar zwei leichte und zwei schwere Linienregimcnter und vier Landwehrrcgimentcr. Letztere trugen in ihrer Bewaffnung und ihrer Formation den Stempel der schweren Cavallene und machten diese also dreimal so start als die leichte Kavallerie. Dem entsprach auch die taktische Verwendung, indem die zwei leichten Regimenter als Divisionscavallerie detaschirt, sechs Regimenter aber in der Cavalleriedivision vereinigt wurden. Zwei leichte Regimenter sind daher für das erste Bedürfniß hinreichend, das doppelte aber mindestens nothwendig, um auf die Dauer den Anforderungen des Sicherheitsdienstes zu gcnügcn und die sehr angestrengten Regimenter ablösen zu tonnen, ein Regiment aber ist dann noch erforderlich, um mit jenen vereint eine Reserve für die Gefechte u. f. w. zu bilden. Fünf Regimenter also per Armeecorps können dem Bedürfniß auf einem Kriegsschauplatz genügen, welcher den Gebrauch der Cavallene nicht begünstigt, wie der Süden, Westen und wie z. B. Schleswig. Gegen Osten aber bedarf es mindestens sechs Regimenter.
Wvlllc man in derselben Art wie 1813 fvrmiren, so würden drei Linien- und drei Landwcbrregimenter genügen. Dem müßte aber vom cavallcristischen Standpunkt ganz entschieden entgegengetreten werden, weil die erhöhten Schwierigkeiten des Terrains sowohl als des Gefechts, jetzt viel gewandtere und sicherere Reiter und viel leistungsfähigere, schnellere und dauerhaftere Pferde erfordern, als sonst. Der Landwehrreiter aber kann in ersterer Beziehung nur wenig, das an dergleichen Leistungen aber nicht gewöhnte Landwehrpferd gar nicht genügen. Selbst Ostpreußen mit seinem vorzüglichen Pferdeschlag stellt infolge seines ausgedehnten und durch die Eisenbahnen immer lebhafter werdenden Handels nicht mehr ganz geeignete Landwehrpferde, sie sind entweder zu jung, oder aber nicht fehlerfrei. Der heutige Standpunkt der Taktik und der Cultur gestattet nur durchaus gute Cavallene mit Nutzen zu verwenden und nöthigt, die ganze Zahl, welche man im Kriege braucht, im Frieden präsent zu halten. Die Landwehrcavallerie würde nur eine ungeheure Verschwendung des Materials sein. — Für Preußen würden wir deshalb den westlichen fünf Corps fünf Regimenter, den östlichen vier Corps aber sechs Regimenter leichter Cavallene geben, in denen.man das lange Dienen, die Vermehrung der guten Reiter nach Möglichkeit unterstützt, und aus denen die abgehenden Reserven nur zur Ausfüllung einzelner Lücken im Fall einer Mobilmachung dienen, die übrigen aber bei dem Armee- und Artillerie-Fuhrwesen zur Verwendung kommen. — Einer Verstärkung des jetzigen Friedensetats bedarf es nach den bisherigen Erfahrungen kaum, Will man die Regimenter aber zu größcrm Gebrauch, wie wir dies bei der Infanterie vorgeschlagen, und worauf die jetzigen, geringen Leistungen der preußischen Cavallene in Schleswig hinweisen, verwendbar machen, so muß man die Regimenter zu fünf Escadrons bilden und die eine Escadron als Ersatzescadron formiren.
Verrmtwmtticher Redacteur: Dr. Morijz Busch. Verlag vvn F. L. Herl'ig. — Druck von C. E. Elberl in Leipzig.