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Das älteste Christenthum und seine Literatur : 2. Echtheit und Unechtheit der neutestamentlichen Schriften.
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lich Verständlich, wenn wir dasjenige ausscheiden, was spätere Anschauungen und Interessen in sie hineingetragen haben. Erst durch die geschichtliche Be­trachtung wird das neue Testament zu einer getreuen und zuverlässigen Urkunde des ältesten Christenthums. Aber auch der moralische Gehalt, der religiöse Wcrth jener Schriften kann nicht darunter leiden, wenn sie zum Theil andere Bcrsasser haben, als die katholische Tradition ihnen zuschreibt. Einen inneren Werth haben sie ja dadurch nicht, daß sie von Aposteln herrühren; es ist ein rein äußerlicher Vorzug, der gar nichts zu thun hat mit ihrer geistigen Rang­ordnung oder mit ihrer sittlichen Wirkung. Das Verhältniß des vierten Evan­geliums zur Offenbarung, welche die Tradition beide dem Apostel Johannes zuschreibt, ist hiefür der sprechendste Beleg. Ist uns diese das Werk eines ech­ten Jüngers Jesu, jenes die Schrift eines namenlosen Mannes des zweiten Jahrhunderts, so vermag uns diese Verschiedenheit des Ursprungs nicht in unsrem Urtheil über den geistigen Werth beider zu beirren. Obwohl von einem Apostel geschrieben, vertritt die Offenbarung eine Stufe des christlichen Bewußtseins, welche dem Judenthum noch am nächsten stehend, sehr bald in der Kirche antiquirt war und heute nur noch historische Bedeutung hat, wäh­rend uns im Evangelium, desseu unbekannter Verfasser mindestens ein Jahr­hundert vom Tode Jesu entfernt ist, die reifste Frucht der urchristlichen Ent­wicklung, und eine tiefere geistigere Auffassung des Christenthums entgegentritt, als in allen anderen Schriften, welche uns der Kanon des neuen Testaments aufbewahrt hat.

Militärische Briefe.

9.

Wcrth der französischen Kampfweisc.

16. Mai.

Die geschlossene Waffenruhe hat die kriegerischen Ereignisse in Schleswig vorläufig beendigt. Es ist sehr zweifelhaft, ob die Konferenzen auch nach verlängerter Waffenruhe zum Frieden führen, und wir werden nach einigen Wochcn oder Monaten wahrscheinlich von Neuem über Kriegsereignisse zu be­richten haben; was wir mit größerer Freude thun würden, wenn dem preußi-